Unterschied psychologisch psychiatrisch

Oder gar seelisch? Wie werden Erkrankungen des Gehirns bezeichnet, die nur eins gemeinsam haben, nämlich keine neurologischen zu sein? Ein kurzer Blick in Googles Ngram zeigt, dass beides genutzt wird — und dass diese Erkrankungen seit ca. Nun könnte es sein, dass die Bezeichnung "psychiatrisch" vorwiegend genutzt wird, wenn es um eine Gegenüberstellung zu neurologischen Erkrankungen geht.

Das Adjektiv "psychiatrisch" bzw. Auffallend fand ich dann, dass "psychiatrische oder neurologische" rot, in der Graphik unten gar nicht als Ngram gefunden wird. Aber dies nur nebenbei bemerkt. Wirklich interessant ist allein die Frage, wann ist eine Erkrankung des Gehirns eigentlich ein Fall für die Neurologie und wann für die Psychiatrie ist? Bei neurologischen Krankheiten ist immer eine mehr oder weniger bekannte Funktionsstörung gewisser anatomischer Strukturen des Gehirns Nervensystems [s.

Kommentar ] gegeben. Beispiele wären die Parkinson-Krankheit oder Chorea Huntington, bei denen die jeweilige Funktionsstörung in den Basalganglien zu finden ist. Die gestörte neuronale Dynamik in den Basalganglien sowie im — immer noch begrenzten und anatomisch gut definierten — Netzwerk dieser mit dem Cortex und dem Thalamus erklärt die Symptomatik weitestgehend. Psychische Zustände krankhafte oder auch gesunde, vielleicht sollte ich an dieser Stelle besser mentale Zustände sagen, zumal ich auch im englischen "mental illness" und "mental health" schreiben würde.

Es mag durchaus neuronale Korrelate genannte Gehirnaktivität geben, die mit diesen Zuständen typischerweise einher geht, man kann aber nicht mit der gleichen Berechtigung wie bei neurologischen Erkrankungen sagen, dieses oder jenes Sub Netzwerk des Gehirns zeigt eine gestörte Funktion dieser oder jener Art und das hat diese und jene Folgen.

Wenn je ein Anatom direkt oder indirekt etwas zum Verständnis einer Hirnerkrankung beigetragen hat, wird der Neurologe zuständig sein, sonst der Psychiater, so sehe ich die Lage als Physiker. Meine Vermutung ist weiterhin, sollte eine psychische Erkrankung eines Tages auf der Ebene verschalteter Netzwerke im Gehirn verstanden werden, läuft sie Gefahr von den Neurologen ergriffen zu werden.

Ob also langfristig eine Trennung zwischen psychisch und neurologisch Bestand haben wird, ist die Frage, ob es Erkrankungen des Gehirns gibt, die sich grundsätzlich nicht anatomisch funktionell lokalisieren lassen. So war ich sensibilisiert für Carstens Formulierung. Das erwähnte Editorial gehört zum Spektrum Extra "Die Zukunft des Gehirns" als Teil der aktuellen Ausgabe von Sprektrum der Wissenschaft, alles kostenfrei zum Download pdf-Datei.

Aus der Ankündigung:. Lesen Sie, wie nah Forscher dem Traum vom Gedankenlesen bereits gekommen sind, ob Neuroimplantate direkten Zugang zum Gehirn bieten, wie Neuronale Schrittmacher funktionieren und vieles mehr. Bezüglich meines Themas hier ist vor allem das Interview mit dem Psychologen und Mediziner Frank Schneider empfehlenswert. Er erklärt was bildgebende Verfahren über eine plumpe Fleckologie hinaus für die Psychiatrie leisten.

Markus Dahlem forscht seit über 20 Jahren über Migräne, hat Gastpositionen an der HU Berlin und am Massachusetts General Hospital. Interessante Gedanken, lieber Markus! Lies mal über die Geschichte der Epilepsie, da wirst du für deine Vermutung, dass eine psychiatrische Störung eine neurologische wird, wenn im Nervensystem eine konkretere Ursache gefunden wird, ein bestätigendes Beispiel finden so gelesen z.

Bei neurologischen Krankheiten ist immer eine mehr oder weniger bekannte Funktionsstörung gewisser anatomischer Strukturen des Gehirns gegeben. Das ist so übrigens nicht korrekt — die Neurologie beschäftigt sich natürlich auch mit Störungen des peripheren Nervensystems. Wenn jemand von psychiatrischen Erkrankungen spricht, dann denke ich insbesondere an ein psychiatrisches Klassifikationssystem, an eine psychiatrische Nosologie, auf die hier verwiesen wird, etwa die F-Störungen des ICD oder das DSM-IV.

Mal bei Gelegenheit Carsten fragen, ob er dabei einen bestimmten Gedanken hatte. Jede psychiatrische Erkrankung ist eine psychische, doch nicht jede psychische Erkrankung ist eine psychiatrische. Lieber Stephan, der Gedanke, was eine neurologische Störung ausmacht, ist ja nicht von mir, wie Dein Zitat von Cornelius Borcks auch zeigt. Ich sah es nicht als nötig an, hier jemanden zu zitieren ich kannte auch das Zitat von Borcks auch nicht , weil es eben — vielleicht nicht in der Zuspitzung — Basiswissen ist, das schwer jemanden zugeschrieben werden kann.

Ich hatte etwas missverstanden s. Stephans Antwort , das Zitat war meins …, daher eine kleine Korrektur in nächsten Absatz. Borcks Meine Aussage ist in meinen Augen hier auch , so meine ich immer noch, korrekt, vielleicht etwas ungenau: mit Gehirn meint er wohl meine ich in diesem Zusammenhang das Nervensystem als Organ, also peripheres und zentrales Nervensystem als ein Organ, kurz: Gehirn.

Denn Gehirn als das Ding im Schädel, wie es fast immer in Abbildungen gezeigt wird, wäre ja auch falsch. Das Rückenmark geht bis tief in den Körper hinein. Aber das nur am Rande.

Psychisch oder psychiatrisch?

Wirklich widersprechen will ich Dir im Versuch zwischen psychisch oder psychiatrisch zu unterscheiden. Ich denke, dass die ICD auch vollständig ist — per Konstruktion. So kenne ich es von den Kopfschmerzerkrankungen. Es gibt eine Krankheitsform G Ob für psychische Erkrankungen so etwas existiert oder überhaupt nötig ist es setzt ja Symptom basierte Kategorien unterhalb der psychischen Krankheiten voraus , muss ich erst noch nach gucken.

So eine Notlösung der Vollständigkeit halber, ist aber gar nicht so eine verrückte Idee. Unterscheiden zu wollen, hilft dem Betroffen wenig, fürchte ich. Danke aber für Deinen Hinweis zur psychiatrische Nosologie. Dem gehe ich mal nach. Das kannte ich nicht. Vielleicht ändere ich dann meine Meinung. Mein Gedanke war: Wenn psychische Erkrankungen Erkrankungen der Psyche sind, sind psychiatrische Erkrankungen dann Erkrankungen der Psychiatrie?

Es wird voraussichtlich ab in der US-Psychiatrie keine narzisstische Persönlichkeitsstörung mehr geben. Vielleicht gibt es also doch psychische Erkrankungen, die keine psychiatrischen sind, auch ohne dass wir hier Freud bemühen müssen?! Es würde mich aber nicht wundern, so oder eine ähnliche Definition woanders auch zu lesen und wollte dem Ausdruck verschaffen.

Ich denke zumindest, dass weder ich der erste bin, der das so sieht, noch dass es sehr umstritten ist. Soviel zur Neurologie. Natürlich sollte es möglich sein, Menschen in die Gesundheit zu entlassen und angebliche Erkrankungen einfach weg zu definieren. Homosexualität ist da ein gutes Beispiel.

Was ist der Unterschied zwischen Psychiatern, Psychologen und Psychotherapeuten?

Ob das mit narzisstischen Persönlichkeitsstörungen auch so sein wird, oder diese Pflänzchen nur umgetopft werden sollen, wäre also zu klären. Aber primäre Erkrankungen des Gehirns, die noch nicht in der Neurologie verankert sind — und es vielleicht ja auch nie werden, sollte die Psychiatrie nicht links liegen lassen.

Das wäre eine Bankrotterklärung. Deswegen würde ich alle diese Krankheiten psychisch nennen und Psychiater als erste nicht unbedingt alleinige Ansprechpartner sehen. Darüber hinaus sehe ich bisher keine Notwendigkeit für jenes Adjektiv. Damit Leser vorab wissen worum es geht, finde ich diese oder ähnliche kurze Beschreibungen hilfreich.

Bezeichenderweise spricht man dort ICD Kapitel V F00—F99 von psychischen Störungen nicht Erkrankungen, von psychischen und Verhaltensstörungen um genau zu sein. Wie dem auch sei, Psyche zu sagen ohne auch Nervensystem zu meinen widerstrebt mir. Das sind zwei Seiten einer Medaille. Willst du hier wirklich den Standpunkt vertreten, dass nur Hirnerkrankungen neurologische Erkrankungen sind?

Ich denke, dann würden dir doch alle Neurologen widersprechen, siehe z. Weil sie das peripheren Nervensystem betreffen? Denn bei diesen Erkrankungen ist doch ein Neurologe gefragt, oder? Bezüglich des peripheren Nervensystem habe ich ja schon oben korrigiert. Gehirn hatte ich als Nervensystem in diesem Zusammenhang im Blogbeitrag gemeint.

PSYCHIATER

Sicher missverständlich. Ändere ich gerne. Ich dachte, dass wir uns dessen einig wären. Philosophische Rückfrage: Wenn eine Erkrankung nicht in der Neurologie verankert ist und es vielleicht auch nie sein wird O-Ton M. Ob es primäre dort verankert ist, ist eine andere Frage. Unten neuer Kommentar. Es gibt aber eben sehr viele Beispiele für psychische Erkrankungen, die keine oder zumindest nicht nur Erkrankungen des Gehirns sind denken wir an Depressionen, nachdem jemand seine Arbeit verliert, oder wenn selbst das noch strittig wäre, an eine Depression in folge einer hormonalen Störung, beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion.

Ich vertrete den Standpunkt wie im letzten Satz des Beitrages: Ob langfristig eine Trennung zwischen psychisch und neurologisch Bestand haben wird, ist die Frage, ob es Erkrankungen des Gehirns gibt, die sich grundsätzlich nicht anatomisch funktionell lokalisieren lassen. Das ist nicht notwendigerweise die Frage des Überlebens einer Fachrichtung Psychiatrie, denn man kann ja eine Arbeitsteilung auf Grund historisch gewachsener Strukturen beibehalten.

Die Unterscheidung hätte aber über diesen historischen Kontext keinen Sinn — wenn wirklich alles anatomisch funktionell lokalisiert werden kann. Das Beispiel Depression mag aber genau so eine Störung sein, die grundsätzlich nicht anatomisch funktionell lokalisiert werden kann. Die Trennung zwischen psychisch und neurologisch wird also voraussichtlich Bestand haben. Was mich nun nur wunderte und was sicher zur Verwirrung nun beitrug ist, dass wirklich laut ICD die Erkrankungen des Nervensystems allein neurologisch sind.

Keinesfalls aber, dass psychische Störungen nicht das Nervensystem betreffen. Dazu will ich sagen, dass diese ICD Unterscheidung zwischen Störungen und Erkrankung für sehr fragwürdig halte. Gehe ich trotzdem mal diesen Weg, könnte die in meinem Beitrag vertretenen Definition in Einklang bringen: alles was anatomisch funktionell lokalisiert ist und fehlschlägt nenne ich eine Erkrankung, alles was ich nur nahezu dem gesamten Nervensystem zuschreiben kann und doch eine Fehlfunktion ist, nenne ich Störung.

Am Ende bleibt die für meine Sicht einzig entscheidende Frage: die nach der Lokalisation der Fehlfunktion. Geht es um Interventionen bsp. Therapien , dann finde ich es schon entscheidend, ob man diese an der Ursache oder einer ihrer Folgen ansetzt. Was Du da lokalisiert würde ich ein neuronales Korrelat nennen. Es kann lokalisierte neuronale Korrelate geben, die mit psychischen Störungen einher gehen.

Aber die Ursache oder auch Entstehung der Krankheit ist nicht dort lokalisiert. Bei meiner Definition will ich aber entweder Aitiologie oder Pathogenese lokalisiert wissen, um dann den Neurologen zuständig zu erklären. Und genau da ist entscheidend, dass man bei neurologischen Krankheiten bei den Ursachen im Körper ansetzen kann, bei den psychischen Störungen in aller Regel nicht, weil man sie A gar nicht kennt oder zumindest B nicht lokalisieren kann.

Bei Depressionen, Angststörungen u. Traumata bilden da sicher die Ausnahme, bei der ich von Erlebnissen als Ursache sprechen würde — der Therapie bleibt aber in diesem Ausnahmefall nur, sich mit den Folgen auseinander zu setzen.