Größenphantasien psychologie
Kernbergs Verständnis narzisstischer Persönlichkeitsstörungen 1. Die sich in Trumps Selbsteinschätzungen offenbarende Selbstwertstörung 1. Trumps sich bei politischen Auftritten zeigende Störung der Objektbeziehungen 1. Trumps gestörte Beziehungen zu Frauen 1. Trumps Lügen im Dienste der perversen Errichtung einer »schönen neuen Welt« 1.
Der Kampf gegen das Böse und die Entfesselung des Chaos 1. Die Selbstinszenierung als Schöpfer einer neuen Welt 1. Psychologie des autoritären Charakters Schluss: Eine böse Normalität Literatur Einleitung Immer wieder schockiert Donald Trump, weil er unentwegt bizarre Behauptungen twittert und gegen jede Vernunft handelt, auch wenn er sich damit in der Öffentlichkeit schadet. Eben diese Frage haben 27 amerikanische PsychiaterInnen, PsychologInnen und TherapeutInnen in dem von Bandy X.
Lee herausgegebenen Sammelband Wie gefährlich ist Donald Trump? Dabei macht bereits der Titel des Sammelbandes darauf aufmerksam, dass es nicht darum geht, »eine Diagnose zu stellen«, die in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Praxis zur Entwicklung eines »Behandlungsansatzes« dienen würde Lee, a, S. Vielmehr zielt die Analyse von Trumps Persönlichkeit darauf, die »Gefährlichkeit« dieses Präsidenten zu untersuchen Lee , S.
Aufgrund seiner Verfügung über Nuklearwaffen stellt Trump nicht nur für Amerika, sondern auch für unsere Welt insgesamt eine immense Gefahr dar. Im Zuge ihrer Beiträge gelangen Philip Zimbardo und Rosemary Sword , Craig Malkin , Lance Dodes , John D. Gartner und Elizabeth Mika zu dem Schluss, dass Trump unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet. Gail Sheehy hält Trumps Misstrauen für das Kernproblem.
Er verkörpere den Typus des New Yorker Immobilienmaklers, »in der die rechte Hand nicht wissen darf, was die linke tut« S. Dodes meint, dass Trumps bösartiger Narzissmus mit einer »antisozialen Persönlichkeit« korreliert S. Gartner sieht nicht nur den bösartigen Narzissmus und die antisoziale Persönlichkeit von Trump, sondern hält ihn aufgrund seiner paranoiden Charakterzüge für verrückt vgl.
In Übereinstimmung damit meint Michael J. Wenn man die Beiträge dieses Sammelbandes mit Hilfe der von Alfred Lorenzer begründeten und von mir vgl. König weiter ausdifferenzierten Tiefenhermeneutik einer Sekundäranalyse unterzieht, wird man mit dem methodologischen Problem konfrontiert, ob da nicht ein Präsident auf die Couch gelegt und damit ein politisches und sozialpsychologisches Problem psychologisiert und pathologisiert wird.
Wie berechtigt dieser bei der Anwendung der Psychoanalyse auf die Kultur vor wilden Analysen warnende Einwand auch ist, es gibt ein entscheidendes Argument dafür, weshalb man auch durch die Analyse von Texten einen Zugang zum Unbewussten einer Persönlichkeit gewinnen kann. Bislang wurde nämlich ein Aspekt nicht eingehend methodologisch reflektiert, von dem her sich erst der Anspruch der Tiefenhermeneutik begründen lässt, dass man narrative Texte so psychoanalytisch interpretieren kann wie die Erzählungen eines Patienten.
Denn was die psychotherapeutische Praxis der Psychoanalyse und die psychoanalytisch-tiefenhermeneutische Forschungspraxis verbindet, das ist die unbewusste Teilhabe an einer Lebenspraxis. Was damit gemeint ist, hat Lorenzer in Auseinandersetzung mit dem Problem entfaltet, dass der Analytiker mit seinem ans Medium der Sprache gebundenen bewussten Verstehen das Unbewusste des Patienten nicht erreichen kann, weil es sich dabei ja um das aus Sprache Ausgeschlossene handelt.
Das tiefenhermeneutische Verstehen öffentlicher Ansprachen basiert in einer durchaus vergleichbaren Weise darauf, dass die Forschenden die Texte eines Politikers auf das eigene Erleben wirken lassen. Da derart die sich im Text objektivierende Lebenspraxis in ihrer emotionalen Dynamik lebendig wird, gewinnen die Forschenden einen Zugang zum sich im Text offenbarenden Unbewussten eines Politikers.
Damit komme ich zu einer weiteren Herausforderung, die sich im Zuge meiner Analyse von Trumps Persönlichkeit stellt: Normalerweise würde ich die methodische Regel der Tiefenhermeneutik einhalten, zunächst die Inszenierungen des Präsidenten szenisch zu interpretieren, bevor ich sie im Rückgriff auf psychoanalytische und sozialwissenschaftliche Konzepte theoretisch zu begreifen suche.
Da zu Trump nun aber die oben aufgezählten Analysen vorliegen, von deren Ergebnissen ich nur künstlich abstrahieren könnte, gehe ich im vorliegenden Fall umgekehrt vor: Ich setze mich mit den Diagnosen meiner amerikanischen Kolleginnen und Kollegen auseinander und überprüfe sie, indem ich das für das Verständnis von Trumps Persönlichkeit erforderliche Datenmaterial noch einmal szenisch interpretiere.
Im zweiten Abschnitt untersuche ich anhand verschiedener exemplarisch ausgewählter Szenen, in denen Trump über sich selbst spricht, inwieweit man von einer Störung seiner Selbstwertregulation sprechen kann. Im vierten Abschnitt setze ich mich mit verschiedenen Szenen auseinander, die Trumps gestörtes Verhältnis zu Frauen spiegeln.
Im fünften Abschnitt geht es um Trumps pathologisches Lügen, das von zentraler Bedeutung für das Verständnis seiner Person und der von ihm geschaffenen Wirklichkeit ist. Im sechsten Abschnitt wird die in den beiden vorherigen Abschnitten entwickelte Einschätzung, dass der pathologische Narzissmus Trumps mit einer schweren Perversion einhergeht, durch Theodor W. Adornos sozialpsychologisches Konzept ergänzt, dass es sich bei ihm um einen autoritären Charakter handelt.
Am Schluss resümiere ich mit Robert Jay Lifton , dass Trump eben dadurch eine »böse Normalität« schafft, dass er die perverse Lust auslebt, alle Werte umzuwerten, und aus dem derart gestörten Chaos eine autoritäre Ordnung zu errichten, der sich die ganze Welt fügen soll. Kernbergs Verständnis narzisstischer Persönlichkeitsstörungen Narzisstische Persönlichkeiten haben nach Auffassung von Kernberg vor allem zwei Probleme: Das erste Problem ist ihr gestörtes Selbstwertgefühl.
Sie blähen nämlich das Selbst einer »extrem egozentrischen Einstellung« entsprechend auf S. Das zweite Problem sind die gestörten Objektbeziehungen narzisstischer Persönlichkeiten: Sie sind »zutiefst misstrauisch«, gehen mit anderen verächtlich um und nehmen für sich »das Recht in Anspruch, über andere Menschen ohne jegliche Schuldgefühle zu verfügen, sie zu beherrschen und auszunutzen« ebd.
Aber trotz dieses Hungers nach ständiger Bestätigung interessieren sich narzisstische Persönlichkeiten nicht für ihre Mitmenschen und weisen einen »auffälligen Mangel an Einfühlung« auf ebd. Da sie aufgrund des gestörten Selbstwertgefühls jede Kritik als massive Kränkung erleben, werden sie häufig von »Wut, Empörung und Rachebedürfnissen« bestimmt ebd.
BR-Navigation
Ihre schnell aufflackernden und gleich wieder abflauenden Emotionen kontrollieren narzisstische Persönlichkeiten, indem sie andere über alles idealisieren oder entwerten, indem sie die Welt in Gut und Böse spalten, die eigene Aggressivität verleugnen und auf andere projizieren. Zudem wehren sie Ängste durch eine Steigerung ihrer Allmachtsphantasien ab vgl. Vor dem Hintergrund von Kernbergs Ausführungen lässt sich begreifen, inwiefern Trumps Worte und Handlungen eine narzisstische Persönlichkeitsstörung widerspiegeln.
Die sich in Trumps Selbsteinschätzungen offenbarende Selbstwertstörung Trumps Worte, dass sein »IQ […] einfach einer der höchsten« sei Piehler , S. Jedes Mal, wenn jemand sagt, dass ich einen Fehler gemacht habe, gibt es Umfragen, und ich gewinne dazu. Also schätze ich mal, dass ich keine Fehler gemacht habe« Piehler , S. Ob Trump mit seiner überragenden Intelligenz prahlt, ob er sich in Bezug auf militärische Angelegenheiten Allwissenheit bescheinigt oder davon überzeugt ist, immer das Richtige zu tun eben fehlerlos zu sein , diese Selbsteinschätzungen sprechen für eine narzisstische Störung des Selbstwertgefühls, der entsprechend der amerikanische Präsident glaubt, keine anderen Menschen als Vorbilder zu brauchen, sondern sich selbst als sein eigenes Ideal genug zu sein vgl.
Kernberg , S. Beim Angeben mit seinem Körper geht Trump bereitwillig in Details: »Meine Finger sind lang und wunderschön, genauso — und dafür gibt es zahlreiche Beweise — wie diverse andere meiner Körperteile« ebd. Denn wer will das schon wissen, was Trump für einen Penis hat?
Narzissmus: Auf dem einsamen Sockel
Wenn er dann auch noch in einer Fernsehdebatte darauf zurückkommt, dass er »keineswegs einen kleinen Penis« habe Brinkbäumer et al. Trumps sich bei politischen Auftritten zeigende Störung der Objektbeziehungen Trump prahlt damit, niemand zu vertrauen. Man solle auch den »besten Leuten« nicht trauen, weil die Welt »ein böser und brutaler Ort« sei ebd. Ganz im Sinne kapitalistischen Konkurrenzdenkens imaginiert Trump die Welt als Ort eines Wettkampfes jenseits aller Moral, an dem jeder gegen jeden kämpft homo homini lupus est.
Wenn man in diesem Kampf aller gegen alle nicht als »Loser« auf der Strecke bleiben will, dann muss man — wie es der Vater ihm ohne irgendwelche Skrupel beigebracht hat — zum »Killer« werden ebd. Als Präsident schreddert er systematisch das Vertrauen in die Institutionen, über die er nun gebietet. Ob man seinen Umgang mit Republikanern und Demokraten, mit den US-Geheimdiensten, der Richterschaft oder den Medien betrachtet, Trump ist aufgrund seines pathologischen Narzissmus unfähig, sich auf einen Dialog mit signifikanten anderen einzulassen.
Daher hasst er nach Auffassung von Schwartz auch die Demokratie und die freie Presse, die »nur dann gedeihen, wenn Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten offen diskutiert werden« Schwartz , S. Seinen Launen entsprechend sind Trump »Bündnisse wie die NATO« so lange »verdächtig«, wie es ihm passt. Und wenn er wütend ist, dann sind »Wirtschaftsvereinbarungen wie das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA […] nichts anderes als ein Versuch, Amerika hereinzulegen« Sheehy , S.
Durch »sein aggressives Verhalten gegenüber […] engsten Verbündeten und seiner Missachtung ihrer führenden Politiker« zerstört er »jahrzehntelang gewachsene freundschaftliche Beziehungen und friedenssichernde Absprachen« ebd. Respekt bringt Trump lediglich brutalen Diktatoren entgegen. Wie Tansey erläutert, idealisiert Trump Diktatoren, die sich ihre Völker in tyrannischer Weise unterworfen haben, weil sie »zu seiner eigenen Persönlichkeitsstruktur passen« ebd.
Trumps gestörte Beziehungen zu Frauen Welche Bedeutung Trump Frauen zuspricht, illustrieren drei Szenenfolgen: 1. Das derart angeschlagene Selbstgefühl repariert er durch die Sexualität mit einer attraktiven Frau. Doch dass die Sexualität Trump nicht nur zur Bewältigung narzisstischer Kränkungen dient, offenbart eine weitere Bemerkung von Trump, mit der er den 25 Jahre zuvor gefallenen Satz ein wenig modifiziert: Es sei ihm nämlich »egal«, »was die Medien schreiben, solange man ein junges und schönes Stück Hintern an seiner Seite hat« Feldenkirchen et al.
Dass Trump attraktive Frauen auf ein Körperteil reduziert, offenbart, dass er sie nicht als Subjekte achtet, sondern sie zu Sexualobjekten erniedrigt, über die er Macht hat. Die Frage stellt sich, ob sich in diesem narzisstischen Benutzen der Frau als Partialobjekt nicht eine Perversion zeigt, die man Robert J. Stoller zufolge daran erkennen lässt, dass das Sexualverhalten mit »Feindseligkeit« einhergeht S.
Ich werde nämlich von schönen … automatisch angezogen — ich fange einfach an, sie zu küssen. Es ist wie ein Magnet. Bush: Lachen. Trump: Einfach küssen. Bush: Anhaltendes Lachen. Trump: Ich warte nicht mal. Wenn du ein Star bist, lassen sie es zu. Du kannst alles machen. Bush: Was immer du willst? Trump: Ihnen an die Muschi fassen.
Bush: Heftiges Lachen. Das wiederholte und heftiger werdende Lachen des Reporters offenbart die Lust, die Trump in ihm durch das Mitteilen einer sexuellen Phantasie weckt. Dieser Tagtraum erzählt davon, dass der Anblick einer schönen Frau Trump derart sexuell erregt, dass er die derart erzeugte Spannung augenblicklich durch Küssen und durch den Griff nach ihren Genitalien löst.
Wie sehr ein solcher Angriff einer Frau auch widerstreben mag, sie füge sich, weil Trump ein »Star« sei, der sich alles erlauben könne. Dass Trump »reihenweise sexuelle Übergriffe« unterlaufen sind, »mit denen er sich, wie auf Tonband aufgezeichnet«, immer wieder gebrüstet hat Gartner , S. Mit Stoller lässt sich die durch die Übergriffe realisierte Sexualphantasie als eine Perversion bezeichnen, die als ein »erotisierter Hass« S.
Zudem verschafft er sich »höchste Erregung« dadurch, dass sein feindseliges Sexualverhalten durch die Möglichkeit einer Anzeige zu einem »riskanten Unternehmen« wird 3 ebd. Denn wie Don Juan interessiert Trump nicht »die sinnliche Lust des Geschlechtsaktes«, vielmehr geht es ihm um ein »rasendes Bedürfnis nach Selbstbestätigung«, dem entsprechend er von seiner »Macht« erzählt, in den ihm widerstrebenden Frauen durch das Grapschen eine unbändige Leidenschaft zu entfachen ebd.
Als nach der Veröffentlichung dieses Videos, dass er jederzeit einer Frau an das Geschlechtsteil fassen könnte, »ein Dutzend Frauen mit ihren Anschuldigungen ans Licht der Öffentlichkeit« traten, ging Trump zum Gegenangriff über und bezeichnete sie als »Lügnerinnen« Gartner , S. Wie Trump aufgrund seiner narzisstischen Störung unfähig ist, sich in die Frauen einzufühlen, die er angrabscht, so reagiert er auf deren Klagen seiner Persönlichkeitsstörung entsprechend mit kalter »Wut«, mit »Empörung und Rachebedürfnissen« Kernberg, , S.
Die in diesen Beschimpfungen zutage tretende Feindseligkeit zeigt sich auch in der Verachtung, die Trump Frauen gegenüber offen zur Sprache bringt. So stellte er etwa im April fest, »Texas nicht vorschreiben [zu] wollen, ob Frauen Menschen sind« Piehler , S. So unterteilt Trump die Geschlechter in Männer als Menschen und in Frauen als Beutetiere, die man jagt und schlecht behandelt, damit sie gehorchen.
Indem Trump seinem pathologischen Narzissmus entsprechend davon überzeugt ist, dass Frauen willige Sexualobjekte3 seien, über die man als Mann herrschen müsse, verletzt er die in westlichen Kulturen geltenden Menschenrechte, denen entsprechend die Geschlechter gleichberechtigt sind und einander mit gegenseitiger Achtung behandeln sollen. Wenn er meint, dass Ivanka »[…] den besten Körper« habe zitiert nach Jhueck , S.
Dieses gestörte Verhältnis zu seiner Tochter verraten auch die Worte, mit denen er seinen Stolz und seine Bewunderung für sie zum Ausdruck brachte: »Ja, sie macht wirklich was her, und was für eine Schönheit sie ist.
Größenphantasien
Wenn ich nicht glücklich verheiratet wäre, und Sie wissen schon, ihr Vater …« ebd. Seine anzügliche Bemerkung offenbart ein ambivalentes Verhältnis zur Realität, wie es für eine perverse Einstellung typisch ist. Mit Janine Chasseguet-Smirgel kann man nämlich davon sprechen, dass Trump zwar einerseits der Realität Rechnung trägt, wenn er sich als Vater den Inzest verbietet.