Psychologische grundbedürfnisse autonomie
Die Selbstbestimmungstheorie engl. Self-Determination Theory , SDT ist eine sowohl prozess- als auch inhaltsorientierte Motivationstheorie. Sie wurde von Richard M. Ryan und Edward L. Deci an der Universität von Rochester , USA, entwickelt. Frustration als Versagung der Befriedigung der psychologischen Grundbedürfnisse führt dabei je nach ihrer Art und Dauer zu unterschiedlichen Einschränkungen der Motivation für das betreffende Verhalten.
Die Folgen reichen dabei von einfacher Verhaltensänderung über die Entwicklung von Ersatzbedürfnissen bis hin zu selbstzerstörerischen Handlungen oder völliger Antriebslosigkeit. Die Bedeutung der psychologischen Grundbedürfnisse für die Herausbildung längerfristiger Verhaltensweisen hat insbesondere auch Konsequenzen für die Gestaltung optimaler Lernumgebungen.
Förderlich sind hier die Angabe nachvollziehbarer Begründungen für die Lerninhalte, die Ermöglichung von Eigeninitiative, der Verzicht auf Leistungsvergleiche, auf normative Zielvorgaben oder auf ergebnisabhängige Belohnungen sowie die Vermeidung von Über- und Unterforderung. Ausgangspunkt für die Entwicklung von SDT war die Beobachtung, dass entgegen damals allgemeiner Erwartung die Motivation für an sich interessante Tätigkeiten durch zusätzliche Anreize oder Belohnungen häufig nicht etwa gesteigert wird, sondern im Gegenteil zurückgeht.
Es gibt aus Sicht von SDT noch einen weiteren Grund, einen erweiterten Motivationsbegriff zu verwenden. Diese sind Kompetenz , Autonomie und soziale Eingebundenheit. Unter Kompetenz wird dabei das Gefühl verstanden, effektiv auf die jeweils als wichtig erachteten Dinge einwirken zu können und entsprechend gewünschte Resultate zu erzielen. Im Mittelpunkt von SDT steht der Begriff der ein bestimmtes Verhalten steuernden Motivation.
In Anlehnung an die entsprechende Darstellung [12] von Ryan und Deci unter Berücksichtigung ihrer neueren Einordnung intrinsischer Motivation lediglich als Unterkategorie autonomer Motivation [13] ergibt sich für die Autonomie-Dimension der Motivation folgendes Bild:. Der Autonomiegrad beschreibt dabei den subjektiv wahrgenommenen internen Anteil an der Regulierung und wird genau wie die Gesamtstärke der Motivation als Kontinuum angesehen.
Neben der Motivation für eine einzelne Aufgabe oder für einen bestimmten Bereich interessieren in SDT besonders die motivationsbestimmenden Faktoren der einzelnen Persönlichkeit. Zum anderen sind dies die Verhaltensziele oder Motive der Person, die noch unterteilt werden in extrinsische Motive, wie etwa materieller Reichtum oder soziale Anerkennung, und intrinsische, wie beispielsweise Gruppenzugehörigkeit oder Persönlichkeitsentwicklung.
Ist ein Verhalten autonom motiviert, so ist es im Vergleich zu einem fremdbestimmt motivierten Verhalten gleicher Motivationsstärke effektiver, vor allem, soweit Kreativität, Problemlöseverhalten oder Durchhaltevermögen gefragt sind, und besitzt somit eine höhere Qualität. Zugleich ist es mit besserer psychischer Gesundheit und Wohlbefinden verbunden.
Die drei psychologischen Grundbedürfnisse sind darüber hinaus für die langfristige Internalisierung und Integration von Verhaltensweisen von zentraler Bedeutung. Durch autonom motiviertes Verhalten wird psychische Energie nicht aufgebraucht.
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Stattdessen verstärkt die mit dem Verhalten verbundene Befriedigung der oben genannten psychologischen Grundbedürfnisse die Vitalität , also die Energie, die dem Selbst für seine Handlungen zur Verfügung steht. Sowohl die Entwicklung einer stabilen internen Kausalattribuierung als auch die Formung des eigenen Motivsystems wird weitestgehend dadurch bestimmt, wie in dem dialektischen Prozess der Interaktion der betreffenden Person mit ihrem sozialen Umfeld die drei oben genannten psychologischen Grundbedürfnisse jeweils befriedigt oder unterdrückt werden.
Entsprechende Erfahrungen wirken sich also direkt auf die Ausprägung ihrer Persönlichkeitseigenschaften aus. Die im obigen Abschnitt Motivationsbestimmende Faktoren SDT genannten extrinsischen Motive fungieren dabei als eine Art Ersatz für eine wahre Befriedigung dieser Bedürfnisse, wobei jedoch die Verfolgung solcher extrinsischen Verhaltensziele, selbst, wenn sie erreicht werden, zu Verhaltensintegration und Wohlbefinden wenig beiträgt.
Werden die genannten psychologischen Grundbedürfnisse permanent unterdrückt, führt dies zu einem Zustand der Amotivation , in dem die betreffende Person ohne Antrieb für irgendeine Handlung bleibt, ihre Motivationsstärke also generell null ist und ein Autonomiegrad nicht zugeordnet werden kann. Verbunden ist dieser Zustand mit Minderwertigkeitsgefühlen und mangelnder Vitalität.
Die zugehörige Kausalattribuierung ist dabei impersonal, sodass man also weder sich selbst noch andere Personen als Ursache erlebter Ereignisse begreift. Freundschaft , Partnerschaft , Liebesbeziehungen oder andere zwischenmenschliche Beziehungen haben für den Einzelnen eine Bedeutung nicht nur im Hinblick auf sein Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit.
Die durch SDT beschriebene Bedeutung des sozialen Umfeldes für die Internalisierung und Integration und damit für die Effizienzsteigerung von Verhalten führt zu einem breiten Anwendungsspektrum von SDT. Genannt werden unter anderem die Bereiche Partnerschaft und Familie, Erziehung, Arbeit, Gesundheit, Sport und Umweltbewusstsein. Frage, wie du die Bedingungen schaffen kannst, in denen andere sich selbst motivieren werden!
Kulturelle Anforderungen, Werte und Regulierungen der eigenen sozialen Gruppe aktiv umzusetzen und in das eigene Selbst zu integrieren, stellt eine Anpassungsleistung dar, die nicht einfach automatisch erfolgt. Die einzelnen Bedürfnisse betreffen unterschiedliche Aspekte der Anpassung des Einzelnen an sein sozio-kulturelles Umfeld. Dabei ist es gerade der bereichsübergreifende, universale Charakter dieses Bedürfnisses, der eine optimale Anpassung an die vielfältigen Herausforderungen der Umwelt, insbesondere durch Spezialisierung, in neuen Bereichen oder kulturellen Nischen, ermöglicht.
Soziale Eingebundenheit. Das Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit hat sich aus der archaischen Notwendigkeit entwickelt, seine Nachkommen zu schützen und für sie zu sorgen. Seine Gruppe andererseits profitiert von der dadurch gegebenen Möglichkeit zur arbeitsteiligen Organisation und Koordination. Das Bedürfnis nach Autonomie , das in diesem Zusammenhang weder mit dem Wunsch nach Unabhängigkeit von anderen noch mit dem nach Distanz zu anderen verwechselt werden sollte, [37] beschreibt aus Sicht von SDT die tief im Organismus verwurzelte Tendenz zur Selbstregulation der eigenen Handlungen und Kohärenz seiner Verhaltensziele.
Dabei ist selbstreguliertes Handeln mit der Erfahrung von Ganzheit , Freiwilligkeit und Vitalität verbunden, während fremdreguliertes Handeln mit dem Gefühl von Einschränkung, Druck und Gezwungensein einhergeht. Denn es reicht nicht, wenn diese Umstände automatisch spezifische Mechanismen in Gang setzen.
Selbstbestimmungstheorie der Motivation nach Deci und Ryan
Vielmehr müssen die neuen Mechanismen durch integrierende Prozesse der Selbst-Organisation in ein hierarchisch strukturiertes Ganzes eingegliedert werden. Physiologische Grundbedürfnisse wie beispielsweise Hunger bewirken auf Grund physiologischer Mangelzustände ein Verhalten, das direkt darauf gerichtet ist, den jeweiligen Mangel zu beheben. Diese Befriedigung ist in der Regel gelernt und hat einen passiven Zustand zum Ziel, nämlich, den durch den Mangel hervorgerufenen Erregungszustand des Organismus zu beruhigen.
Je stärker das physiologische Bedürfnis in einer Situation unterdrückt wird, desto stärker wird es empfunden und desto dominanter wird das auf die Befriedigung gerichtete Verhalten. Verhalten, das eine Befriedigung der psychologischen Grundbedürfnisse Kompetenz, Autonomie oder soziale Eingebundenheit bewirkt, muss dagegen nicht direkt auf die jeweilige Bedürfnisbefriedigung gerichtet sein und ist es in der Regel auch nicht.
Es kann einfach eine interessante Tätigkeit oder ein wichtiges Ziel betreffen, solange diese in ihrem Kontext eine derartige Befriedigung möglich machen. Meist ist man sich dabei gar nicht bewusst, dass sein aktuelles Verhalten eine derartige Bedürfnisbefriedigung bewirkt. Ein Beispiel wäre das bewusste Suchen nach Geselligkeit, wenn man sich einsam fühlt.
Fehlende Befriedigung psychologischer Grundbedürfnisse führt aus Sicht von SDT wie im Fall physiologischer Grundbedürfnisse zunächst auf verstärkte Anstrengungen, diese zu erreichen. Bei andauernder Bedürfnisunterdrückung werden dann aber Schutzmechanismen und Ersatzbedürfnisse entwickelt, die direkte Versuche, die originalen Bedürfnisse zu befriedigen, gerade vermindern.
Solche defensiven Anpassungen haben aber immer, unabhängig von einer möglichen Wertschätzung durch die betroffene Person, negative Konsequenzen für ihre Vitalität, Intaktheit und Gesundheit. Internalisierung wird in vielen Theorien als zentrales, aber unterschiedlich gefasstes Konzept der Sozialisation behandelt. Aus Sicht von SDT stellt Internalisierung den aktiven und natürlichen Prozess dar, in dem der Einzelne soziale Normen , insbesondere sozial sanktionierte Sitten und Anforderungen, in persönlich verinnerlichte Werte, Verhaltensregulierungen und Verhaltensziele überführt.
Wird der Internalisierungsprozess jedoch behindert, ist das Ergebnis ein entsprechend geringerer Autonomiegrad des damit verbundenen Verhaltens. Wie der Übersicht im obigen Abschnitt Motivation und Autonomiegrad SDT zu entnehmen ist, ändern sich mit dem Autonomiegrad auch die zugehörigen Steuerungsprozesse. Je geringer nun der Autonomiegrad ist, desto stärker zeigt sich ein innerer Konflikt zwischen den Steuerungsprozessen und dem Wunsch, die entsprechende Handlung gerade nicht durchzuführen, und desto eher wird das entsprechende Verhalten aufgegeben, sobald die aktuellen Steuerungsprozesse nicht mehr wirksam sind.
Erleichtert wird der Prozess der Internalisierung, wenn man sich bei der Ausführung des relevanten Verhaltens mit denjenigen, die das Verhalten einfordern, verbunden fühlt und wenn man einerseits die Bedeutung der Verhaltensregulation versteht und andererseits schon die Fähigkeit entwickelt hat, durch eigenes Handeln der Anforderung ganz zu entsprechen.
Um die Werte und Verhaltensweisen vollständig in das eigene Selbst zu integrieren, muss man darüber hinaus die entsprechende Handlung freiwillig und somit, wenn notwendig, modifiziert ausführen können. Das Selbst als Ziel optimaler Internalisierung wird dabei in SDT charakterisiert durch seine innewohnende Tendenz zur Aktivität, seinen integrativen Prozess und die in ihm wirkenden psychologischen Grundbedürfnisse.
Durch den integrativen Prozess werden ständig kulturelle Werte, Motive und Verhaltensweisen sowie emotionale Regulierungen in das Selbst aufgenommen und es somit vervollkommnet. Das Selbst fungiert als Quelle der im obigen Abschnitt Motivation und Autonomiegrad SDT angegebenen autonomen Motivation. Obwohl man dauernd bestrebt ist, geeignete Wege zur Befriedigung der im obigen Abschnitt Psychologische Grundbedürfnisse SDT genannten Bedürfnisse nach Kompetenz, Autonomie und sozialer Eingebundenheit zu finden, kann das soziale Umfeld dies dennoch in bestimmten Situationen teilweise oder ganz verwehren.
Einmal etabliert, verhindern sie darüber hinaus eine Befriedigung der ursprünglichen psychologischen Grundbedürfnisse auch dann, wenn die Befriedigung eigentlich möglich wäre. Unterschiedliche Einschränkungen in der Möglichkeit, die psychologischen Grundbedürfnisse zu befriedigen, wirken sich in unterschiedlicher Weise auf die Motivation für das aktuelle Verhalten aus.
Neben dem Autonomiegrad der zugehörigen Motivation wird damit auch das ursprüngliche Interesse, also die Motivationsstärke, herabgesetzt. Denn das Interesse an einer Tätigkeit hängt ja davon ab, wie stark bei ihrer Ausführung die psychologischen Grundbedürfnisse befriedigt werden können. Bei Überforderung sieht man sich nicht dazu fähig, den Anforderungen der aktuellen Aufgabe zu entsprechen, und erkennt darin eigene mangelnde Kompetenz, während bei Unterforderung die aktuelle Aufgabe so einfach ist, dass man ihre Lösung nicht als Ausdruck eigener Kompetenz verstehen kann.
In beiden Fällen ist eine Befriedigung des Bedürfnisses nach Kompetenz nicht möglich. Wenn in bestimmten Situationen, beispielsweise in einer Lerngruppe von Kindern, dem Wunsch nach Zuwendung nicht angemessen entsprochen wird, ist damit die Befriedigung des Bedürfnisses nach sozialer Eingebundenheit nur teilweise möglich.
Bedürfnisse
In entsprechendem Umfang verringert sich dadurch die Motivationsstärke für das betreffende Verhalten. Internalisierungsprozesse sind von einer Unterdrückung der psychologischen Grundbedürfnisse immer dann betroffen, wenn diese Unterdrückung von längerer Dauer ist. So kann zwar, falls bei der Ausübung eines bestimmten Verhaltens Unterstützung für Kompetenz und soziale Eingebundenheit immer gewährt, für Autonomie aber permanent versagt wird, dieses Verhalten immer mehr vervollkommnet werden.
Der Internalisierungsprozess verläuft dann aber nur eingeschränkt und führt vielleicht zu introjizierter oder teil-integrierter Regulation, nicht jedoch zu vollständiger Integration. Bedingte Zuwendung, wie sie manchmal als elterliches Erziehungsmittel zu finden ist, erzwingt die Aufgabe von Autonomie, also so zu sein, wie man wirklich ist, zugunsten der ersehnten Zuwendung.
Eine Internalisierung des entsprechenden Verhaltens kann dann nur zu introjizierter Regulation führen mit ihren negativen Konsequenzen für Verhaltensqualität und Gesundheit. Zusätzlich entstehen psychische Kosten in Form von Groll und dem Gefühl, nicht geliebt zu sein. Müssen Kinder in einer Umgebung aufwachsen, in der sie vernachlässigt oder misshandelt und willkürlich bestraft werden, wird die Befriedigung ihrer psychologischen Grundbedürfnisse fast nur unterdrückt.
Dadurch kommen sie in einen Zustand der im obigen Abschnitt Persönlichkeitseigenschaften SDT beschriebenen Amotivation, der durch Antriebslosigkeit und Minderwertigkeitsgefühle sowie eine impersonale Ursachenzuschreibung gekennzeichnet ist, und zeigen unregulierte Emotionen und Verhaltensstörungen im Zusammensein mit anderen Menschen. Die Ausbildung kompensatorischer Verhaltensziele ist ebenfalls eine mögliche Folge von länger andauernder Unterdrückung der psychologischen Grundbedürfnisse.
So kann beispielsweise eine längere Unterdrückung des Bedürfnisses nach sozialer Eingebundenheit ein Streben nach materiellem Reichtum bewirken, durch den man die vormals versagte Anerkennung und Wertschätzung endlich zu erreichen hofft. In diesem speziellen Fall versucht man, im Bereich des Essverhaltens, also in einem Bereich, über den man die Kontrolle besitzt, ein Gefühl von Effektivität und Selbstbestimmung zu entwickeln.
Damit kompensiert man eine zuvor langfristig erfahrene Versagung der Befriedigung von Bedürfnissen nach Kompetenz und Autonomie. Der in SDT theoretisch begründete Zusammenhang von der Qualität von Verhalten und damit verbundenem Wohlbefinden und psychischer Gesundheit einerseits und dem im obigen Abschnitt Motivation und Autonomiegrad SDT angegebenen Autonomiegrad der entsprechenden Motivation andererseits lässt sich in vielen Bereichen empirisch belegen.
Zugleich lässt sich ein ähnlicher Zusammenhang beobachten, wenn man statt von der Motivation für das aktuelle Verhalten von der Kausalattribuierung der handelnden Person ausgeht. Eine hohe Qualität des jeweiligen Verhaltens und entsprechendes Wohlbefinden ist die Folge dieser Überzeugung, während eine externe oder sogar impersonale Kausalattribuierung das Gegenteil bewirkt.
Indem nun SDT Vorhersagen über die Qualität von Verhalten und damit verbundenes Wohlbefinden auf der Grundlage des Autonomiegrades der entsprechenden Motivation sowie der Kausalattribuierung der handelnden Person gestattet, stellt SDT sich als prozess-orientierte Motivationstheorie dar. In der Regel lässt sich auf Grund des Inhalts von Verhaltenszielen ein Zusammenhang zwischen ihnen und der mit ihrer Verfolgung verbundenen psychischen Gesundheit und damit einhergehendem Wohlbefinden angeben.
Dazu dient in SDT eine Unterteilung von Verhaltenszielen in intrinsische und extrinsische Ziele. Im obigen Abschnitt Frustration SDT wird als Grund für die Ausbildung extrinsischer Ziele ihre kompensatorische Funktion in Situationen genannt, in denen eine Befriedigung der psychologischen Grundbedürfnisse längerfristig nicht möglich ist.
Die Stärke der Unterdrückung des jeweiligen Bedürfnisses bestimmt dabei die Stärke des entsprechenden extrinsischen Zieles oder Motivs. Intrinsische Verhaltensziele sind demgegenüber mit hohem Wohlbefinden verknüpft. Untersucht wurde, ob man eher die Entscheidung eines vertrauten Mitglieds seiner Gruppe akzeptiert oder lieber selbst entscheidet.
Während in der asiatischen Stichprobe die Möglichkeit der Übernahme von Entscheidungen und damit Werten desjenigen, mit dem man sich identifizierte, favorisiert wurde, zog man in der amerikanischen Stichprobe die Möglichkeit vor, eine eigene Entscheidung zu treffen. Autonomie scheint also in kollektivistisch geprägten Kulturen an andere Inhalte gebunden zu sein als in individualistisch geprägten.
Kulturelle und subkulturelle Ziele und Werte sind aus Sicht von SDT nur dann zu intrinsischen Zielen transformierbar und damit ins Selbst integrierbar, wenn sie mit der menschlichen Natur und speziell den psychologischen Grundbedürfnissen vereinbar sind. Ein Beispiel für Nicht-Integrierbarkeit ist die kulturell verankerte Wertschätzung von Genitalverstümmelung.
Ein weiteres, wenn auch nicht so dramatisches, Beispiel dafür ist die gesellschaftlich verwurzelte Überzeugung, dass Jungen nicht weinen dürfen.