Angst vor schlangen psychologie
Rund zehn Prozent der Bevölkerung leiden an einer spezifischen Phobie. Besonders häufig ist die panische Angst vor Spinnen , Schlangen oder Höhen. Manche Menschen verspüren regelrechte Todesangst. Die Regensburger Psychotherapeutin Dr. Theresa Wechsler kennt Ursachen und Lösungen. Angst an sich ist etwas Gutes und Sinnvolles. Sie schützt uns vor realen Gefahren.
Wenn Menschen in Australien keine Angst vor giftigen Schlangen oder Spinnen hätten, würden sie sich womöglich in echte Gefahr begeben. Wird die Angst allerdings derart stark, so dass sie sich nicht mehr regulieren lässt und entstehen dadurch erhebliche Leiden oder Beeinträchtigungen für die Betroffenen.
Dann sprechen wir von Phobien. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn man in Deutschland beim Anblick eines völlig harmlosen Weberknechtes in Panik gerät und das Zimmer so lange nicht mehr betreten kann, bis jemand die Spinne entfernt hat. Treten solche Phobien häufiger bei Männern oder bei Frauen auf? Tatsächlich beobachten wir spezifische Phobien häufiger bei Frauen als bei Männern.
Spinnen, Schlangen, Höhenangst: Wie wir unsere Phobien überwinden
Spinnenangst beispielsweise tritt bei Frauen sehr häufig auf. Bei Männern ist Höhenangst die häufigste Phobie. Warum das so ist, wird kontrovers diskutiert. Es gibt unterschiedliche Erklärungsansätze. Sicher spielt das Erziehungsverhalten eine Rolle, etwa wenn Geschlechterklischees vorgelebt und weitergegeben werden.
Angst vor Schlangen und Spinnen ist angeboren
Wir gehen davon aus, dass jene Reize besonders schnell zum phobischen Objekt werden können, die für den Menschen von evolutionärer Bedeutung waren. Sprich: Der Mensch entwickelt schneller eine Phobie vor Schlangen oder Spinnen als vor Steckdosen oder Autos, die in unseren Breiten aber viel gefährlicher sind. Die Wissenschaft verwendet hier den Begriff der Preparedness, des biologischen Vorbereitetseins.
Also sind diese Ängste in uns allen genetisch verankert? Das ist anzunehmen. Babys reagieren beim ersten Anblick einer Schlange nicht unbedingt ängstlich, wenn sie zuvor keine negativen Erfahrungen mit Schlangen gemacht haben. Es braucht theoretisch aber viel weniger experimentelle Durchgänge, ihnen die Angst vor Schlangen anzulernen als die Angst vor einer Steckdose.
Diese biologische Preparedness allein führt aber noch nicht zu einer Angststörung. Grundsätzlich gibt es drei Wege, über die sich eine spezifische Phobie bildet. Der erste Weg führt über die Kopplung des Objekts oder der Situation mit einer aversiven Erfahrung. Das können eigene traumatische Erfahrungen sein, wie ein Autounfall in den Bergen, aus dem eine Höhenangst resultiert. Ein zweiter Weg geht über die so genannte Informationsvermittlung.
Schon eine intensiv erlebte Erzählung darüber, wie gefährlich Schlangen seien, kann ausreichen, um bei einem Kind eine Phobie auszulösen. Drittens lernt der Mensch von Vorbildern. Wenn Eltern also die Angst vor Spinnen bewusst oder unbewusst vorleben, wird sich ein Kind in seinem Verhalten daran orientieren. Wir bezeichnen das als Modelllernen. Kinder, die vom Baum fallen, klettern aber womöglich schnell wieder hinauf … Deshalb kommt bei der Entstehung von spezifischen Phobien noch ein weiterer zentraler Punkt hinzu: die Aufrechterhaltung der Angst durch Vermeidung.
Stürmen wir also beim Anblick einer Spinne einfach aus dem Zimmer oder weigern wir uns grundsätzlich, auf einen Turm zu steigen, fühlen wir uns zwar vordergründig erleichtert, weil die Angst nachlässt oder gar nicht erst auftritt. Tatsächlich aber verschlimmern wir damit unsere Ängste, da wir uns die Chance nehmen, unsere Befürchtungen zu überprüfen und zu widerlegen.
Es braucht also die Konfrontation, um eine Phobie erfolgreich zu bekämpfen? Eine professionelle Konfrontationstherapie ist bei einer ausgeprägten Phobie die erste Wahl. Auf sich allein gestellt würden die meisten Patienten gar nicht so weit gehen, beziehungsweise die Konfrontation nicht so durchführen, dass sie Erfolg bringt. Unter therapeutischer Anleitung und Begleitung dagegen lernen sie Schritt für Schritt, ihre Ängste abzubauen, indem sie sich ihnen stellen.
Psychologin Theresa Wechsler empfiehlt eine Konfrontationstherapie, um Phobien wirkungsvoll zu bekämpfen. Und zwar so lange, bis die Angst in Anwesenheit des Objekts — zum Beispiel einer Spinne — oder in der Situation —etwa in der Höhe — von selbst nachgelassen hat oder zentrale Befürchtungen widerlegt werden konnten.
Das ist der zentrale Punkt einer erfolgreichen Exposition. Menschen, die sich für eine professionell durchgeführte Konfrontationstherapie interessieren, sollten sich an einen Psychologischen Psychotherapeuten oder einen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten mit Schwerpunkt auf Verhaltenstherapie wenden und dort nach Expositionstherapie fragen. Adressen findet man zum Beispiel auf der Website der Bundespsychotherapeutenkammer.
Ist Schlangen- und Spinnenangst angeboren?
Bei einer krankheitswertig ausgeprägten Phobie übernimmt die Krankenversicherung die Kosten. Eine spezielle Behandlungsform, die Expositionstherapie in virtueller Realität, bieten wir in unserer Hochschulambulanz für Psychotherapie an der Universität Regensburg im Rahmen von Forschungstherapien als Kompaktbehandlung an. Sehr, sehr gut. Die Erfolgsquote einer solchen Expositionstherapie ist hoch und liegt bei 77 bis 95 Prozent.
Wenn keine komplizierenden Faktoren wie etwa eine zusätzliche Depression oder eine posttraumatische Belastungsstörung vorliegen, lässt sich die Phobie in einer einzigen gut zweistündigen Konfrontationssitzung behandeln. Zusammen mit der Vor- und Nachbereitung kann die Problematik bei vielen Menschen somit schon an einem halben Tag deutlich reduziert werden.
Wichtig für einen langfristigen Erfolg ist allerdings, dass man danach nicht wieder in seine alten Vermeidungsverhalten zurückfällt und stattdessen selbstständig weiter übt. National Geographic National Geographic. Geschichte und kultur Tiere Wissenschaft Umwelt Reise und Abenteuer. Von Jens Voss. Veröffentlicht am Frau Dr.
Wechsler, warum verfallen wir oft schon beim Besteigen eines Kirchturms oder beim Anblick winziger Krabbeltiere in Panik? Wie Angst die Evolution des Menschen prägte. Angst und Furcht mögen nicht angenehm sein, aber beides sind wichtige Emotionen, die die menschliche Evolution prägten. Unser Gehirn reagiert auf Bedrohungen und bereitet unseren Körper auf das vor, was da kommen könnte — so wie wir es vor Hunderttausenden von Jahren gelernt haben.
Aber wie sieht die Wissenschaft hinter dieser angeborenen Reaktion aus und wie gehen wir in der modernen Welt damit um? Was sind die Ursachen solcher Phobien? Galerie: Tiere tun uns gut — aber anders, als wir denken. Galerie ansehen. Was braucht es noch, damit aus unterschwelliger Angst eine Phobie wird? Kinder, die vom Baum fallen, klettern aber womöglich schnell wieder hinauf ….
Deshalb kommt bei der Entstehung von spezifischen Phobien noch ein weiterer zentraler Punkt hinzu: die Aufrechterhaltung der Angst durch Vermeidung. Warum haben wir Angst vor Haien? Zum Artikel. Pumas haben Angst vor menschlichen Stimmen. Was bedeutet das zum Beispiel für einen Spinnenphobiker? An wen können sich hilfesuchende Menschen wenden? Wie sind die Erfolgsaussichten?