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Menschen kommen nicht vollständig entwickelt auf die Welt. Insbesondere die psychische Entwicklung beginnt mit der Geburt. Wie genau diese Entwicklung abläuft, ist jedoch eine umstrittene Frage in der Entwicklungspsychologie. Die Entwicklungspsychologie beschäftigt sich mit der Beschreibung und Erklärung von menschlichem Verhalten und Erleben, das sich das ganze Leben hinweg stetig verändert.
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Es gibt verschiedene Entwicklungstheorien mit unterschiedlichen Ansichten zur Rolle des Individuums in seiner Entwicklung. So sehen einige Theorien den Menschen als eher passives Individuum in Bezug auf seine Entwicklung. Andere gehen davon aus, dass der Mensch sich vieles, wenn nicht sogar alles, aus eigenem Antrieb heraus aneignen und lernen muss.
Letzteres ist jedoch kein kontinuierlicher Prozess, sondern geschieht stufenweise. Bereits in der griechischen Antike wurden die verschiedenen Phasen des Heranwachsens und Reifens eines Menschen untersucht. Sokrates beklagte beispielsweise das widersprechende Verhalten Jugendlicher gegenüber ihren Eltern, das in einem starken Kontrast zu dem kindlichen Verhältnis zu den Eltern steht.
Alle Entwicklungstheorien haben bestimmte Eigenschaften, nach denen sie sich in mehrere Typen einteilen lassen. Je nachdem, ob das Individuum und die Umwelt als aktiv oder nicht aktiv angesehen werden, ergeben sich folgende Ansätze:. In der folgenden Tabelle siehst Du vier Typen:. Abbildung 1: Tabellarischer Überblick über die verschiedenen Entwicklungstheorien.
In den letzten Jahrhunderten haben sich unzählige verschiedene psychologische Entwicklungstheorien und Konzepte zur Erklärung der Entwicklung des Menschen herausgebildet. Zu den wichtigsten Entwicklungstheorien zählen die Ansätze von den Psychologen Sigmund Freud , Erik Erikson, Lawrence Kohlberg und Jean Piaget.
Neben den eben aufgelisteten Ansätzen gibt es noch zwei bedeutende Theorien von dem Schweizer Entwicklungspsychologen Jean Piaget : die Theorie der kognitiven Entwicklung und die Theorie der kindlichen Moralentwicklung. Einen Überblick über die beiden Ansätze erhältst du in der nachfolgenden Tabelle:. Schaue Dir gerne auch unsere Erklärungen " Psychosexuelle Entwicklung ", " Psychosoziales Modell nach Erikson" oder " Piaget Moral " an.
Eine der bekanntesten Entwicklungstheorien stammt von dem Psychologen Sigmund Freud. In seiner psychoanalytischen Theorie unterscheidet Freud das Es , das Ich und das sogenannte Über-Ich als zentrale Persönlichkeitsinstanzen. Freud nahm an, dass der Mensch von Geburt an Triebbedürfnisse z.
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Aggression , Sex, Durst entwickelt und das Es sich darum bemüht, für eine Befriedigung dieser Triebe zu sorgen. Dem gegenüber steht das Über-Ich, das mit Hilfe von Normen und Moral versucht, den gesellschaftlich-sozialen Erwartungen gerecht zu werden. Inmitten dieses Konfliktes zwischen Es und Über-Ich steht das Ich, das die Triebe des Es und die Werte des Über-Ichs in Einklang bringen muss.
Somit dient das Ich als Vermittler zwischen den beiden anderen Instanzen. Einen Überblick über die drei Persönlichkeitsinstanzen nach Freud und ihre individuellen Merkmale findest Du in der nachfolgenden Aufzählung:. In seinem Modell zur Entwicklung hat Freud verschiedene Phasen definiert, die dadurch bestimmt werden, wie das Individuum mit diesen Trieben umgeht.
In allen f ünf Phasen der Entwicklung liegt die Betonung auf der Rolle der Sexualität in Form von Lust, Geborgenheit und des Erlebens des eigenen Körpers. Der Ödipuskomplex beschreibt laut Freud die Summe aller Gefühle eines Kindes, während es ein Elternteil umwirbt und gegen das andere rivalisiert. Freud unterscheidet einen positiven Ödipuskomplex Kind umwirbt gegengeschlechtliches Elternteil , einen negativen Ödipuskomplex Kind umwirbt gleichgeschlechtliches Elternteil und einen vollständigen Ödipuskomplex wenn positiver und negativer Komplex durchlaufen werden.
Das folgende Fallbeispiel verdeutlicht die psychosexuelle Theorie Freuds und ihre einzelnen Phasen. Es zeigt auf, was geschieht, falls die Phasen nicht oder nur schlecht durchlaufen werden. Lisas Mutter war sehr jung bei ihrer Geburt und von Beginn an mit ihrer neuen Rolle überfordert. Lisa erfuhr in ihren ersten Lebensmonaten keine Liebe und Schutz durch ihre Mutter. Dort erfährt sie zum ersten Mal Liebe und Schutz.
Dennoch traut sich Lisa nicht, Aggressionen und Trotz zu zeigen, wie es in der analen Phase normal wäre. Sie ist dankbar für die Aufmerksamkeit durch ihre Pflegefamilie. Auch der sexuelle Lustgewinn bleibt in den nachfolgenden Phasen aus. Ihre Pflegefamilie klärt sie nicht auf und lässt sie nicht ihren Körper entdecken. Anstatt sich gegen ihre Pflegeeltern zu behaupten, sagt Lisa zu allem "ja".
Auch in ihrer Pubertät will sie es allen recht machen und verweigert es, sich mit sich und ihrem Körper auseinanderzusetzen. Das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung von Erik Erikson baut auf Freuds Phasenmodell auf. Jedoch legt Erikson in seinem Modell einen stärkeren Fokus auf die Pubertätszeit, Identitätsfindung und auf die soziale Dynamik. Er geht davon aus, dass es sich bei der Entwicklung um einen lebenslangen Prozess handelt.
Es werden insgesamt acht altersabhängige Stufen unterschieden, wovon sich die ersten fünf auf die Entwicklung vom Baby bis zum Jugendlichen und die letzten drei auf das Erwachsenenalter beziehen. Jede Stufe ist durch bestimmte Entwicklungsaufgaben und Krisen gekennzeichnet, die es zu bewältigen gilt.
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Werden diese nicht in der entsprechenden Phase bewältigt, dann wird die Person auch in den darauffolgenden Phasen mit diesen Problemstellungen zu kämpfen haben. Somit geht Erikson davon aus, dass die individuelle Persönlichkeit davon abhängt und geprägt wird, auf welche Art und Weise die Krisen bewältigt werden. Auf jeder Stufe des psychosozialen Entwicklungsmodells kann es laut Erikson zu Störungen kommen.
Wird eine Krise nicht bewältigt, dann wirkt sich das auf unterschiedliche Art und Weise auf den weiteren Lebenslauf aus. Wie Du Dir die Phasen der psychosozialen Entwicklung nach Erikson, deren Entwicklungsaufgaben und Krisen im Speziellen vorstellen kannst, soll Dir das nachfolgende Beispiel anhand der zweiten Phase "Autonomie vs. Scham" verdeutlichen. In dieser steht, wie Du bereits gelernt hast, der Konflikt zwischen Selbst- und Fremdkontrolle im Mittelpunkt der Entwicklung.
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Stelle Dir ein vierjähriges Kind namens Lisa vor. Lisa kann in dem Alter schon sehr viel allein machen und braucht ihre Mutter nicht mehr so oft. In letzter Zeit macht Lisa aber hin und wieder Ärger. Im Kindergarten gibt es einen Jungen, der sie nervt und dem sie immer an den Haaren zieht und schubst. Als Konsequenz durfte sie einen Tag nicht in den Kindergarten gehen. Da ist ihre Mutter wütend geworden und hat Lisa erklärt, dass es nicht gut ist, andere zu schubsen und an den Haaren zu ziehen.
Lisa hat das daraufhin verstanden und wird es nicht mehr machen. Das kann über die zwei gegensätzlichen Prozesse der Assimilation und Akkommodation geschehen. Diese Grafik verdeutlicht noch einmal die Richtung der beiden Prozesse. Bei der Assimilation passt das Subjekt die Umwelt an die eigenen Strukturen an, während bei der Akkommodation die Umwelt eine Veränderung des Subjekts bewirkt.
Abbildung 2: Prozess der Anpassung eines Individuums mithilfe von Assimilation und Adaptation an seine Umwelt. Kleine Kinder nehmen gerne Dinge in den Mund. Häufig handelt es sich dabei um Gegenstände, die nicht essbar sind. Das liegt daran, dass das Kind den Gegenstand mit Nahrung gleichsetzt Assimilation. Das Schema des Kindes sieht zum Beispiel so aus: "Klein, passt in den Mund, bewegt sich nicht — essbar".
Da es den Gegenstand aber nicht essen kann, muss es sein Schema erweitern Akkommodation , um diesen Zusammenhang bzw. Unterschied zu verstehen, zum Beispiel:. Jetzt hast du oft den Begriff Schema gelesen. Aber was genau ist damit gemeint? Unter einem Schema versteht man eine organisierte Wissens- oder Verhaltensstruktur. Diese bilden die Grundbausteine des menschlichen Wissens.
Nehmen wir zur Erklärung von Schema das Wort "Nahrung". Zum Beispiel ist Gebäck eine Unterkategorie von Nahrung bzw. Jetzt gibt es jedoch eine ganze Reihe verschiedener Gebäcksorten, wie Kekse oder auch Brot. Diese besitzen wiederum individuelle Charakteristiken, die sie voneinander unterscheiden. Brot ist beispielsweise häufiger fluffig und krümmelt nicht.
Laut Piagets Theorie findet die kognitive Entwicklung in vier Stufen statt, in denen ein Kind Lebenserfahrungen sammelt und es dadurch schafft, innere Repräsentationen der Welt zu erschaffen. Dafür wird der Mensch immer wieder mit neuen Erfahrungen konfrontiert, die in kein vorhandenes Schema passen und dazu führen, dass er sein Denken anpassen adaptieren muss.
Das folgende Beispiel veranschaulicht das Phasenmodell der kognitiven Entwicklung nach Piaget. Es zeigt, wie sich Lisas kognitive Entwicklung über die vier Phasen nach Jean Piaget vollzieht und wie sich die Objektpermanenz sowie das multidimensionale als auch das abstrakte Denken bei dem Mädchen ausbildet. Lisa zehn Monate sucht zunächst nach einem Gegenstand, dort, wo sie ihn das letzte Mal gesehen hat und nicht dort, wo er vor ihren Augen versteckt wurde.
Sie kann nämlich noch nicht begreifen, dass ein Gegenstand nicht an zwei Stellen gleichzeitig existieren kann. Weil sie ihn an der einen Stelle schon einmal gefunden hat, geht sie davon aus, dass er dort wieder sein muss. Lisa sieben Jahre erkennt, dass in den zwei identischen Gläsern A und B gleich viel Wasser ist, wenn es gleich hoch befüllt ist.
Wird der Inhalt von A nun in das schmalere und höhere Glas C geschüttet, denkt Lisa nun jedoch, dass sich im Glas C mehr Wasser befindet. Lisa ist noch nicht imstande, in Dimensionen zu denken. Lisa neun Jahre wird gefragt, ob es mehr "Kinder" oder "Menschen" auf der Welt gibt. Das liegt daran, dass Lisa noch keine Oberklasse für den Begriff "Menschen" gebildet hat.
Sie hat die "Kinder" noch nicht den "Menschen" zugeordnet. Das abstrakte Denken bereitet ihr noch kleine Schwierigkeiten.