Psychologie z-diagnose
Psychologische Diagnostik auch: Psychodiagnostik oder Assessment ist ein Teilgebiet der Psychologie und zugleich ein wichtiger Teil der Berufstätigkeit von Psychologen. Nach Angaben der WHO ist sie der gemeinsame Nenner der meisten beruflichen psychologischen Tätigkeiten. Psychologische Diagnostik ist immer dann gefragt, wenn rationale Entscheidungen zu finden oder zu fundieren sind.
In diesem Sinne liefert sie dafür das methodische Fundament. Sie setzt eine Frage- oder Problemstellung voraus, die mit psychologischer Hilfe beantwortet oder gelöst werden soll. Das aufgrund der Information gewonnene Abbild ist Grundlage für diagnostische Entscheidungen in den verschiedensten Bereichen psychologischer Tätigkeit wie z. Die psychologische Diagnostik beschäftigt sich aber auch mit ganz grundlegenden, eher theoretischen Fragestellungen, wie z.
Eine umfassende Definition geben Reinhold Jäger und Franz Petermann [2] , welche die Orientierung an den diagnostischen Entscheidungen betont und die Komplexität psychologischer Diagnostik berücksichtigt:. Die Zuordnung innerhalb der Teilgebiete der Psychologie ist nicht einheitlich: Psychologische Diagnostik wird verschiedentlich den Grundlagenfächern, Methodenfächern oder den Anwendungsfächern zugerechnet.
Die Eigenständigkeit als Disziplin ist ebenfalls umstritten, sie wird mit Differentieller Psychologie oder Persönlichkeitspsychologie gern kombiniert.
ICD-10-WHO Version 2013
Psychologische Diagnostik in der Klinischen Psychologie bezieht sich nicht nur auf das Erkennen von psychischen Erkrankungen oder Störungen, sondern bezieht die daraus abzuleitenden Entscheidungen z. Therapienotwendigkeit und -motivation, Wahl der richtigen Therapieform etc. Die psychologische Diagnostik ist eng mit den anderen psychologischen Disziplinen verzahnt, sodass Fachwissen u.
Die Ausbildung innerhalb des Psychologiestudiums findet zumeist in zwei Teilen statt: im Grundstudium wird das allgemeine methodische Vorgehen gelehrt, in den Anwendungsfächern werden die Herangehensweisen für spezielle Fragestellungen vermittelt. Da es sich um einen methodisch komplexen, fachspezifischen Entscheidungsprozess im Sinne eines wissenschaftlichen Vorgehens handelt, setzt Psychologische Diagnostik nicht nur anwendungsorientiertes Wissen und anwendungsbezogene praktische Methodik voraus, sondern bedarf v.
Auf europäischer Ebene ist dazu ein mindestens fünfjähriges wissenschaftliches Universitätsstudium der Psychologie sowie ein nachfolgendes mindestens einjähriges, von einem Psychologen supervidiertes und positiv evaluiertes Praxisjahr notwendig. Die Bedeutung war lange vor allem auf diese Art der Rorschach-Diagnostik bezogen.
Der Begriff Psychodiagnostik hat einen Bedeutungswandel erfahren, indem er heute alle Methoden und Vorgehensweisen auf diesem Gebiet umfasst. Zunehmend und vor allem auf offizieller Ebene wird dafür heute der Begriff Psychologische Diagnostik verwendet. Dennoch erfolgt die synonyme und parallele Verwendung des Begriffes Psychodiagnostik auch heute noch.
Im angloamerikanischen Raum entspricht die psychologische Diagnostik dem Begriff des Assessments psychological assessment , welcher insbesondere in Buchtiteln und Zeitschriften der Psychologie weitaus geläufiger ist als Diagnosis. Principles of personality assessment von Jerry S. Wiggins In der Personalpsychologie wird Assessment auch im deutschen Sprachraum verwendet, insbesondere um Assoziationen zu einer medizinischen Diagnosestellung zu vermeiden.
Die Bezeichnung Assessment-Center wird z. Demgegenüber hat psychologische Diagnostik eine weitaus breitere Bedeutung, da die Fragestellungen beispielsweise den Schulkontext, die Personalauswahl, Arbeitswelt, Weiterbildung, Beratung und Begutachtung betreffen.
Klassifikationssysteme Psychologie
Im weiteren Sinn ist psychologische Diagnostik eingebettet in einem Untersuchungskontext, bei dem das Ziel, die Methoden wie Interview , Tests , Verhaltensbeobachtungen und die statistische Auswertung der Datenerfassung zu berücksichtigen sind. Im engeren Sinne kann der eigentliche Prozess der psychologischen Diagnostik mit folgenden Modell beschrieben werden.
Weil Diagnostik als Tätigkeit aufgefasst wird, legte Jäger bereits ein Prozessmodell mit mehreren unterscheidbaren Komponenten vor. Dies wurde weiter präzisiert und heute herrscht Konsens, dass die folgenden Schritte notwendig sind:. Die Erfassung und Gewinnung von Charakteristika erfolgt mit wissenschaftlich fundierten Methoden, zielgerichtet, systematisch und orientiert an vorgegebenen Hypothesen.
Die genannten Entscheidungen basieren auf einem komplexen Informationsverarbeitungsprozess. In diesem Prozess wird auf Regeln, Anleitungen, Algorithmen usw. Man gewinnt damit relevante Charakteristika von Merkmalsträgern und integriert gegebene Daten zu einem Urteil Diagnose, Prognose. Die Integration wird als diagnostische Urteilsbildung bezeichnet. Psychologische Diagnostik dient der Untersuchung psychischer Merkmale.
Darunter zählen Leistungs- und Fähigkeitsmerkmale, z. Wahrnehmung , Konzentration , Merkfähigkeit , Intelligenz und auch Persönlichkeitsmerkmale. Angst , oder Extraversion. Dies geschieht in der Regel durch Psychologen mit Hilfe wissenschaftlich anerkannter Methoden und Testverfahren. Neben den vielfältigen standardisierten Verfahren, die durch möglichst für alle Probanden gleichartig strukturierte und durchgeführte Methodik zu möglichst objektiven Vergleichsaussagen führen sollen, gibt es die sogenannten qualitativen Verfahren, die über einzelne Individuen möglichst umfangreiche, aussagekräftige Informationen zutage fördern sollen.
In qualitativen Interviews soll durch gezieltes Hinterfragen von Antworten und durch freies Erzählen und themenzentrierte Ausführungen der Probanden ein möglichst vorurteilsfreies und nicht von normengestützten Vergleichsinteressen geleitetes Bild der Persönlichkeit oder der individuellen Denkleistungen erzeugt werden.
Siehe auch: Interview. Auch die Verhaltensbeobachtung zählt zu den Methoden der psychologischen Diagnostik. Ein zentrales Aufgabenfeld der psychologischen Diagnostik ist die Entwicklung standardisierter Verfahren etwa Tests, Fragebögen usw. Dabei verfolgt sie den Anspruch, systematische Unterschiede zwischen Personen immer genauer metrisch quantitativ beschreiben zu können.
Die Leitziele der diagnostischen Methodenentwicklung beschreiben die theoretischen Grundvorstellungen bei der Konstruktion von Verfahren für die psychologische Diagnostik. Diese Grundvorstellungen beziehen sich konkret auf die Zielsetzung was wird gemessen? Nach Pawlik entspricht die Statusdiagnostik den klassischen Vorstellungen der psychologischen Diagnostik, wie sie sich etwa in der Allgemeinen oder Differentiellen Psychologie finden.
Sie geht vom Eigenschaftsmodell aus, interessiert sich also für vorrangig unveränderliche Merkmale und soll einen aktuellen oder zukünftigen Zustand erfassen.
Klinische Psychologie
Entsprechend reicht bei der Statusdiagnostik durchaus eine einzige Messung zur Erfassung eines interessierenden Merkmals. Typische statusdiagnostische Anwendungen sind zum Beispiel Fähigkeits- oder Eignungstests. Die Prozessdiagnostik ist eher im Bereich der klinischen Psychologie oder der Organisationspsychologie angesiedelt, im Zentrum ihres Interesses steht die Veränderung von Merkmalen Modifikationsmodell.
Als typische Anwendungsfelder wären die Psychotherapie oder die Personalentwicklung zu nennen. Obwohl diese Leitziele sehr theoretisierend anmuten, fassen sie doch die Spannweite der modernen psychologischen Diagnostik in prägnanter Weise zusammen. Jäger und Petermann [7] unterscheiden:. Die psychologische Diagnostik soll eine rationale, empirisch begründete Entscheidung ermöglichen.
Dabei ist auch der relative Nutzen der Diagnostikmethode zu berücksichtigen. Also beispielsweise: Wie viel besser ist diese Entscheidung im Vergleich zu einem anderen Verfahren z. Lohnen sich die Kosten im Vergleich mit anderen Methoden? Für welche Entscheidung nutzt z. Was nutzt ein Persönlichkeitsgutachten für die Personalauswahl oder für die Auswahl einer Psychotherapie?
Diesen kritischen Fragen kann nur durch empirische Nachweise aufgrund von Evaluationen Bewährungskontrollen begegnet werden. Das Konzept des Entscheidungsnutzens ist in der Psychologie vor allem von Cronbach und Gleser im Rahmen der Zuordnungs- und Klassifikationsstrategien entwickelt worden. Solche Abwägungen bleiben jedoch immer fragwürdig, denn sie enthalten Verallgemeinerungen, die nicht allen Einzelpersonen gerecht werden, und der grundsätzlich mögliche Schaden einer Entscheidung ist noch schwieriger zu erfassen als der Nutzen.
Eine faire Bewertung würde hier einen Prozess sozialer Urteilsbildung aller Beteiligten erfordern. In den letzten Jahren hat es eine Reihe von Anstrengungen gegeben, um die Qualität der Psychologischen Diagnostik zu verbessern. Mit der DIN sind erstmals normative Vorgaben für einen Bereich der Eignungsdiagnostik in umfassender Form vorhanden, die analog auch für andere Gebiete angewendet werden können.
Folgende Zeitschriften widmen sich spezifisch dem Thema, Beiträge finden sich aber auch in zahlreichen anderen Zeitschriften:.
Psychologische Diagnostik
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