Wahrscheinliches mittel psychologie

Friedenspsychologie ist ein Teilbereich der Psychologie sowie der Friedensforschung , der sich mit den psychologischen Aspekten von Frieden , Konflikt , Gewalt und Krieg befasst. Friedenspsychologie lässt sich anhand von vier miteinander verbundenen Säulen kennzeichnen: 1 Forschung, 2 Bildung und Erziehung, 3 Praxis und 4 politische Einflussnahme. Friedenspsychologische Aktivitäten basieren auf psychologischen Modellen Theorien und Methoden; sie sind in der Regel in ihren Mitteln und Zielen normativ gebunden, indem sie mit möglichst gewaltfreien Mitteln auf das Ideal des Friedens hinarbeiten.

Das Ideal des Friedens kann auch mit einer umfassenden Verwirklichung der Menschenrechte bürgerlicher, politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Rechte konkretisiert werden; dies soll u. Auf internationaler Ebene existiert das Committee for the Psychological Study of Peace und das International Network of Psychologists for Social Responsibility, das u.

Ungeachtet ihrer analytischen oder normativen Orientierung, befasst sie sich im Wesentlichen mit den psychologischen Aspekten der Entstehung, Eskalation, Reduktion und Lösung von Konflikten bis hin zu Kriegen , den psychosozialen Bedingungen, die einem nachhaltigen Frieden ab- oder zuträglich sind , und den psychosozialen Auswirkungen von Krieg und Gewalt. Dabei sind jeweils unterschiedliche Analyse- und Erklärungsebenen relevant: vom Individuum über Gruppen, gesellschaftliche Organisationen und Institutionen, Staaten und Staatensysteme z.

Europäische Union , Militärbündnisse z. NATO und kollektive Sicherheitssysteme z. In ihrem Fokus auf die psychologischen Aspekte der Entstehung, Eskalation, Reduktion und Lösung von Konflikten überschneidet sich die Friedenspsychologie mit der Konfliktpsychologie. Ein Konflikt besteht, wenn die Erwartungen, Interessen, Bedürfnisse oder Handlungen mindestens zweier Konfliktparteien von mindestens einer der Parteien als unvereinbar wahrgenommen werden.

In der Friedenspsychologie geht es zumeist um Konflikte zwischen sozialen Gruppen Intergruppenkonflikte , u. Bei Konflikten ist zwischen vordergründigen Positionen z. Macht, Einflusssphären und Reichtum zu unterscheiden sowie zwischen aktuellen Auslösern z. Gewalt bei einer Demonstration und strukturellen Ursachen z. Während Konflikte unvermeidbar sind und eine produktive Auseinandersetzung zu positiven Veränderungen führen kann Kriesberg, [6] , sind die Eskalation von Konflikten und insbesondere das Auftreten von Gewalt vermeidbar und mit Leid und Opfern verbunden.

Psychologische Prozesse der Informationsverarbeitung Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Gedächtnis, Denken, Urteilen , des emotionalen Empfindens und der Motivation beeinflussen erheblich, wie ein Konflikt verarbeitet wird und ob es zu konflikteskalierendem Handeln kommt. Eine wichtige Rolle spielen die unterschiedlichen Blickwinkel der Konfliktparteien, infolge derer auch positiv gemeinte Handlungen des Konfliktgegners als aggressiv wahrgenommen werden und die somit zur Eskalation beitragen können.

Konflikte können leicht eskalieren. Konflikte können gezielt durch die Konstruktion von Feindbildern , psychologische Kriegsführung und Propaganda intensiviert werden. Dabei sind Medien, Eliten in Politik und Gesellschaft, aber auch das Bildungssystem bedeutsam. Feindbilder können einen wahren Kern haben, überzeichnen aber die negativen Seiten des Gegners.

Zu den Kernmerkmalen eines ausgeprägten Feindbildes gehören: 1 eine negative Bewertung des Gegners z.

Irrfahrt zum Mittelwert

Diese Konstruktionen können dazu führen, dass der Gegner entmenschlicht wird und dass moralische Normen nicht mehr gelten: Dem Anderen dürfen im Extremfall gar: sollen Leid und Tod zugefügt werden. Der Aufbau von Feindbildern hat die zentrale Funktion, Rüstung, Gewalt und Krieg zu rechtfertigen. Zudem wird das individuelle und kollektive Selbstbild erhöht Sommer, [9].

Psychologische Kriegsführung umfasst Methoden, um die Zivilbevölkerung und das Militär im Sinne eigener Kriegsziele zu beeinflussen. Zentrale Methoden sind Desinformation mithilfe von Medien Kriegspropaganda , aber auch Sabotage, Vertreibungen, Mord und Terror. Kriegspropaganda besteht aus zwei sich ergänzenden Strategien: 1 Informationen zur Intensivierung des Feindbildes oder des Bedrohungsempfindens werden wiederholt, als typisch für den Gegner bewertet und detailliert ausgeschmückt; und 2 Informationen, die zur Deeskalation führen können, werden unterschlagen oder abgewertet "nicht Ernst gemeint".

Zudem kann negatives Verhalten des Gegners provoziert z. Brutkastenlüge im Zweiten Golfkrieg Jaeger, [10]. Zur möglichst gewaltfreien Konfliktaustragung Deeskalation , Lösung , Transformation werden in der Friedenspsychologie verschiedene Strategien diskutiert. Man kann zwischen Verfahren auf der offiziellen Ebene z.

Osgoods GRIT Graduated and Reciprocated Initiatives in Tension-Reduction , Verhandlungen , Mediation , Verfahren der inoffiziellen Diplomatie interaktive Problemlöseworkshops; z. Kelman, [11] und in der Zivilbevölkerung ansetzende Strategien unterscheiden z. Friedensjournalismus , Kontakt zwischen sozialen Gruppen. Osgoods GRIT-Modell wurde als Gegenkonzept zu der Rüstungs-Spirale des Ost-West-Konfliktes konzipiert, bei der die damaligen Supermächte USA und UdSSR Quantität und Qualität der Rüstung ständig erhöhten, so dass ein Vernichten der Menschheit durch einen Atomkrieg möglich erschien.

Das GRIT-Modell dagegen soll deeskalierend wirken und eine Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens schaffen, indem eine Partei einen konkreten Schritt zur Spannungsreduktion öffentlich ankündigt, nachweisbar durchführt und die Gegenseite auffordert bzw. Dabei wird darauf geachtet, die eigene Sicherheit nicht zu gefährden. Es gibt Hinweise darauf, dass US-Präsident Kennedy und UdSSR-Ministerpräsident Chruschtschow bei ihren Verhandlungen nach der Kuba-Krise sich an diesem Konzept orientierten Meyer, [12].

Insbesondere bei lang anhaltenden, schweren Konflikten bietet sich das Vorgehen der Mediation an, da die Konfliktparteien zu konstruktiven Gesprächen kaum mehr in der Lage sind. Dabei unterstützt eine dritte Partei z.

Gesetz der kleinen Zahlen

Mediatoren muss der Konflikt und seine Geschichte gut bekannt sein, und sie sollten das Vertrauen der Konfliktparteien haben und sich mit Konfliktanalyse und Kommunikationsstrategien auskennen. Zu wichtigen Strategien gehören, Vertrauen herzustellen, die wesentlichen Konfliktelemente herauszuarbeiten und die Problematik ggf.

Problematisch ist, wenn Mediatoren parteiisch sind und starke eigene Interessen haben. Bei schweren, lang anhaltenden Konflikten kann es sinnvoll sein, auf einer Ebene unterhalb der offiziellen Diplomatie zu intervenieren. Interaktives Problemlösen ist solch ein inoffizieller Ansatz, Angehörige der Konfliktparteien zusammenzubringen Kelman, [11]. Dazu zählen Bürger innen mit hohem Ansehen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen, z.

Medien, Wirtschaft, Politik oder Kirchen. Ein Team von Sozialwissenschaftler inne n, u. Psycholog inn en, initiiert und fördert einen Problemlösungsprozess mit den Elementen Konfliktdiagnose, Aufzeigen von Handlungsalternativen und Erarbeiten von gewaltfreien Lösungsmöglichkeiten, die für alle Beteiligten zu befriedigenden Ergebnissen führen. Es besteht die Erwartung bzw.

Hoffnung, dass die Beteiligten auf ihre Regierungen und die öffentliche Meinung Einfluss nehmen, offizielle Verhandlungen zu führen. Psychologisch bedeutsame Komponenten sind, das jeweilige Selbst- und Feindbild zu korrigieren. Interaktives Problemlösen wurde insbesondere im Israel-Palästina-Konflikt vom US-Psychologen Herbert C. Medien sind häufig am Aufbau von Feindbildern und Eskalation von Konflikten beteiligt.

Friedensjournalismus dagegen hat das Ziel, bei eskalierenden Konflikten und Kriegen den Einfluss der Medien zur konstruktiven, gewaltfreien Austragung von Konflikten zu untersuchen und zu nutzen. Das Engagement der Bevölkerung für friedliche Ziele und Mittel kann — insbesondere in Demokratien — Einfluss auf die Entscheidungen der Regierenden haben. Das Engagement hängt u.

Gewaltfreiheit, soziale Gerechtigkeit , Modellen bzw. Vorbildern und von der subjektiv wahrgenommenen Erfolgswahrscheinlichkeit des eigenen Handelns Preiser, [16]. Kontakte zwischen gegnerischen Gruppen z. Förderliche Bedingungen sind insbesondere: Die Akteure haben ähnlichen sozialen Status, es werden gemeinsame Ziele entwickelt und die Kontakte werden von gesellschaftlichen Autoritäten unterstützt.

Bei der Konfliktbearbeitung werden dann die tieferen Konfliktursachen evtl. Methoden gewaltfreien Widerstandes reichen vom Protest z. Demonstrationen über Verweigerung der Zusammenarbeit z. Streik, Kaufboykott bis zu zivilem Widerstand z. Anketten, Verkehrsblockade. Bekannt sind insbesondere das Wirken Handeln, Reden, Schriften von Mahatma Gandhi und Martin Luther King.

Zu den psychischen Folgen zählen insbesondere Traumatisierungen diese betreffen hauptsächlich die Zivilbevölkerung, aber auch Militärangehörige , kognitive und emotionale Schäden sowie die Zerstörung vertrauensvoller sozialer Beziehungen Gurris, [22]. Kriege lösen meist nicht die zugrunde liegenden Probleme, sie provozieren häufig neue Gewalt und neue Kriege.

So tritt z. Darüber hinaus gehen Ressourcen für zivile Aufgaben verloren, u. Die Folgen und Kosten von Kriegen werden bislang kaum umfassend und objektiv untersucht Kantner, [24] ; Sommer, [25]. Dazu zählen z. Traumatherapie und Wahrheits- und Versöhnungskommissionen. Auch unabhängig von konkreten Konflikten und Gewalt richtet friedenspsychologische Forschung den Blick darauf, welche psychosozialen Bedingungen nachhaltigen Frieden erschweren und begünstigen.

Die folgenden kulturellen Merkmale sind hinderlich für die Entwicklung nachhaltigen Friedens: die Bewertung der eigenen Gruppe Ethnie, Religion, Nation etc. Als förderlich für die Entwicklung nachhaltigen Friedens gelten: die Grundüberzeugung, dass Konflikte häufig sind, dass sie aber gewaltfrei und zum Nutzen der verschiedenen Konfliktparteien gelöst werden können; das Konzept eines Humanismus mit den Merkmalen menschliche Würde, Pazifismus, Empathie, Respekt, Toleranz und Solidarität bzgl.

Die UN-Menschenrechts-Charta beinhaltet die wesentlichen Dokumente: die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte AEMR; sowie die Zwillingspakte ; internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte sowie internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte. Die AEMR besteht aus 30 Artikeln mit mehr als einzelnen Rechten, u. Recht auf Arbeit, Erholung, bezahlten Urlaub, Schutz vor Arbeitslosigkeit, Recht auf Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung sowie unentgeltlichen Grundschulunterricht.

Besonders bedeutsam am Menschenrechtskonzept der Vereinten Nationen ist, dass alle Menschenrechte bedeutsam sind Unteilbarkeit und dass sie für alle Menschen gelten Universalität. Psychologische Forschungen zu Menschenrechten untersuchen insbesondere Wissen, Einstellungen und Handlungsbereitschaften.

Repräsentative Befragungen in Deutschland zu Menschenrechten zeigen, dass die Verwirklichung von Menschenrechten als sehr wichtig angesehen wird, gleichzeitig das Wissen über Menschenrechte gering und ungenau ist. Friedenspsychologisch bedeutsam sind zudem Analysen zur Problematik, ob Menschenrechte im Sinne von Frieden genutzt werden oder ob sie zum Aufbau von Feindbildern oder zur Begründung von Kriegen missbraucht werden.

Das Conflict Information Consortium an der University of Colorade bietet mit dem Projekt Beyond Intractability eine offen zugängliche, kooperative Lernplattform an. Friedenspsychologische Praxis bezieht sich z.

Berufsethische Richtlinien DGPs/BDP

Von besonderer Bedeutung ist die Zusammenarbeit von Forschung und Praxis, z. Friedenspsychologen und -psychologinnen versuchen, bisweilen als Teil der Friedensbewegung , politische Entscheidungsträger und gesellschaftliche Prozesse im Sinne der normativen Orientierung am Ideal des Friedens zu beeinflussen. Dies kann z.

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