Ultimate erklärung psychologie
Dieser Text gibt eine Übersicht über die Grundlagen der Evolutionspsycholgie. Zuerst wird die Evolutionspsychologie charakterisiert und Nachbarfächern gegenübergestellt. So dann wird die Entstehung evolvierter psychologischer Mechanismen dargestellt und einige Missverständnisse über die Evolutionspsychologie besprochen. Die Analyse menschlichen Verhalten lässt sich an Hand der von Niko Tinbergen aufgestellten Kriterien kategorisieren:.
In der Kognitiven und der Biologischen Psychologie bemüht man sich um eine proximate Erklärung der vermittelnden und regulierenden physiologischen und psychologischen Mechanismen. In der Entwicklungspsychologie steht dann die Ontogenese dieser proximaten Mechanismen im Vordergrund. In der Evolutionspsychologie wird noch eine Erklärungsebene hinzugefügt: die ultimate Erklärung.
Proximate Erklärungen beschreiben und erklären psychologische und physiologische Vorgänge und distale Erklärungen beschreiben deren ontogenetische Entwicklung. Die Frage, warum ein Phänomen sich aber überhaupt in der Phylogenese entwickeln konnte, welchen Zweck es hat und welchen Reproduktionsvorteil es bringt wird von eine ultimaten Erklärung beantwortet. Ultimate und proximate Erklärungen verhalten sich komplementär, d.
Ultimate Erklärungen eignen sich dazu, eine Reihe von low-level Theorien zu strukturieren Euler, Die Evolutionstheorie beschäftigt sich mit der Frage warum im Laufe der Phylogenese bestimmte Anpassungen entstehen. Wenn solche Anpassung erfolgt ist, kann man nun weiter fragen, warum sie entstehen. Man fragt also nach dem ultimaten Ziel evolutionärer Anpassungen.
Das ultimate Ziel solcher Anpassungen ist die Weitergabe des individuellen Genoms an die Nachkommen, nicht das Überleben des Individuums. Die Weitergabe des Genoms geschieht durch sexuelle Fortpflanzung zumindest ist dies beim Menschen und den meisten anderen Säugetieren der Fall. Nach Hamiltons Theorie der inklusiven Fitness Hamilton, kann diese Weitergabe von Genen an nachfolgende Generationen aber auch durch Hilfeleistungen gegenüber Verwandten erfolgen.
Die Weitergabe von eigenen Genen an mögliche Nachkommen entsteht hierbei durch Handlungen, die den reproduktiven Erfolg von Verwandten und damit auch zu einem gewissen Teil des eigenen Genoms erhöht Buss, Dies ist deshalb möglich, da Verwandte zu einem gewissen Teil auch Anteile des eigenen Genoms in sich tragen und damit an nachfolgende Generationen weitergeben können.
So teilen z. Was unterscheidet die Evolutionspsychologie nun aber weiterhin von den anderen Teildisziplinen der Psychologie. Ein wesentlicher Unterschied liegt darin, dass in den meisten Teildisziplinen das Sozialwissenschaftliche Standardmodell Standard Social Siences Modell als Menschbild Verwendung findet. Cosmides und Tooby weisen darauf hin, dass es im SSSM jeweils dieselben Mechanismen sind, die steuern.
Es sind also nicht bereichsspezifische Mechanismen des Wissenserwerbs. Neuere Erkenntnisse wiederlegen aber diese Sichtweise. So wird z. B in der kognitiven Entwicklungspsychologie gezeigt, dass Säuglinge schon früh physikalisches, also bereichsspezifisches Wissen besitzen. So kann man zeigen, dass Säuglinge schon ein Wissen über die Kontinuität und Solidität von Gegenständen besitzen.
Bietet man ihnen verdeckte Objektbewegungen dar, so blicken sie länger auf solche Bewegungen, die mit den Prinzipien der Kontinuität und Solidität konsistent physikalisch möglich sind Sodian, Also besitzen schon Kleinkinder Wissen, dass sie nicht erworben haben können, sondern das angeboren ist. Die Evolutionspsychologie geht davon aus, dass sich eine bestimmte Ansammlung solcher Mechanismen entwickelt hat.
Derartige Mechanismen bieten einen allgemeinen Rahmen, wie man anderen Menschen wahrnimmt, Ereignisse oder Handlungen interpretiert und auch wie man sich selbst verhält.
Proximate und ultimate Ursachen
Diese Mechanismen sind spezies-universell und somit auch kulturübergreifend, dies konnte von Buss in einer kulturübergreifenden Studie über Präferenzen bei der Partnerwahl gezeigt werden. Blickt man wieder in die kognitive Entwicklungspsychologie, so sind hier z. Diese Mechanismen sind aber nicht notwendigerweise auch ontogenetisch universell Euler, Nicht ontogenetisch universell bedeutet, dass sich ein Mechanismus nicht unbedingt in der Entwicklung eines Individuums zeigen muss, z.
Eine andere Abgrenzung der Evolutionspsychologie liegt in der Kontrastierung gegen die Humanethologie und Soziobiologie. Die Ethologie entstand als Reaktion auf den Behaviorismuns und seiner einseitigen Betonung der Umweltabhängigkeit des Verhaltens Buss, Die Ethologie ist also an den vier Erklärungen des Verhaltens nach Tinbergen ebenso interessiert wie die Evolutionspsychologie.
Der Ethologie mangelt es aber an klaren Kriterien zur Identifikation evolutionärer Anpassungen. Die Soziobiologie ist eine Synthese aus Zellbiologie, Neurophysiologie, Ethologie, vergleichender Psychologie, Populationsbiologie und Verhaltensökologie Buss, Der Bereich mit dem sich die Soziobiologie beschäftigt bezieht sich nicht nur auf die Spezies homo sapiens sapiens, sondern auf alle Arten.
Die zeigt sich auch an dem grundlegenden Werk der Soziobiologie, dem von Edward O. Wilson verfassten Werk Sociobiology: The New Synthesis, in dem sich nur das letzte Kapitel mit dem Menschen befasst. Die Soziobiologie nimmt an, dass es einen allgemeinen psychologischen Mechanismus gibt, der bewirkt, dass ein Individuum seinen Reproduktionserfolg zu maximieren will.
Dies ist nicht möglich, da man den Reproduktionserfolg eines Individuums in der Regel während der Lebenszeit eines Individuums nicht messen kann. Nach Asendorpf und Banse besteht der Unterschied zwischen der Soziobiologie und der Evolutionspsychologie darin, dass die Soziobiologie lediglich versucht Verhaltensweisen als phylogenetische Anpassungen zu erklären, wohingegen die Evolutionspsychologie sich mit den vermittelnden Mechanismen, die Verhalten bedingen, beschäftigt.
Nach den Abgrenzungen der Evolutionspsychologie von der Ethologie und Soziobiologie und der Darstellung ihrer Grundannahme über die Natur des menschlichen Geistes, werden nun die Grundlagen der Evolutionstheorie und ihre Anwendung in der Evolutionspsychologie dargestellt. Dazu wird als erste die Frage aufgegriffen, wie im Verlauf der Evolution Strukturen entstehen können.
Strukturen in unserem Sinn sind die oben erwähnten, allgemeinen, bereichsspezifischen Mechanismen. Strukturen entstehen aufgrund von Selektionsvorteilen im Sinne der natürlichen oder sexuellen Selektion schon vorhandener Strukturen. Evolution ist ein probabilistischer und kein deterministischer Prozess, die Richtung des evolutionären Prozesses ist nicht vorgegeben.
Dieser Prozess bringt nun drei Produkte hervor: Adaptationen, Nebenprodukte und Rauschen Buss, Adaptationen sind vererbte, durch natürliche Selektion entstandene Strukturen oder Mechanismen, die eine Anpassung an die Umwelt darstellten und die dadurch den Reproduktionsvorteil eines Individuums während der Zeit ihrer Entwicklung erhöhten.
Nebenprodukte sind nicht funktional im Sinne einer Anpassung an die Umwelt und damit nicht funktional. Rauschen wird durch zufällig eintretende Veränderungen während der Entwicklung, Mutationen oder plötzlich sich verändernde Umweltbedingungen erzeugt. Buss führt als Beispiel den Bauchnabel an. Das eigentliche Produkt ist hier die Nabelschnur, der das Überleben der Fetus im Mutterleib sichert.
Das Nebenprodukt ist der Bauchnabel, das als Überbleibsel der Nabelschnur an jedem Individuum zu sehen ist. Das Rauschen manifestiert sich in der individuellen Form des Bauchnabels. Da Evolution ein probabilistischer Prozess ist, ist die Entstehung der Mechanismen also nur vom Zufall abhängig. Veränderungen entstehen am Anfang also ohne einen Nutzen.
Erst wenn diese Veränderung den Reproduktionsvorteil erhöht, wird sie sich durchsetzen. Dies geschieht über die Erhöhung des differentiellen Reproduktionserfolgs eines Individuums. Der differentielle Reproduktionserfolg ist definiert als die Steigerung in der Anzahl der Nachkommen, die eine Adaptation gegenüber anderen Individuen bietet Buss, Hierdurch wird die Adaptation Bestandteil des Genoms einer Spezies.
Die Umwelt in der die Veränderungen entstehen, nennt man die environment of evolutionary adaptedness EEA. Anpassung an die EEA ist ein sehr langsamer Prozess ist, der sich über viele Generationen erfolgt. Da sich aber die Umwelt in der Regel schneller verändert als die Anpassungen erfolgen, sind die jeweils entstandenen Mechanismen für die derzeitige Umwelt nicht mehr optimal, sondern optimal für die vergangene Umwelt.
Buss, , S. Dies wird als evolutionärer time lag bezeichnet. Man muss aber beachten, dass dies nicht für alle Adaptationen gilt, z. Welche Anforderungen werden nun an eine evolutionäre Anpassung gestellt. Anpassungsleistungen müssen ihren Zweck mit hinreichender Präzision, Ökonomie, Effizienz und Zuverlässigkeit erfüllen Buss, Adaptationen sind bereichsspezifisch, d.
Nach Symons kann es keine allgemeinen Anpassungen geben, da es keine allgemeinen Anpassungsprobleme gibt. Die menschliche Psyche kann somit als eine Ansammlung von speziellen Werkzeugen, eine adaptive toolbox, gesehen werden. Die Werkzeuge sind analytisch trennbar und funktional integriert Euler, Gelegentlich werden diese speziellen Werkzeuge werden als Darwinsche Algorithmen bezeichnet und stellen für ihren Zweck einfache und hinreichend gute Werkzeuge dar.
Proximate und ultimate Ursachen von Verhalten
Bis hier war die Rede von Strukturen und Mechanismen als Anpassungsleitungen. Der Begriff Struktur bezieht sich weitestgehend auf anatomische oder physiologische Anpassungen. Anpassungen im Sinne der Evolutionspsychologie sind die psychologische Abläufe und Funktionen. Man spricht von evolvierten psychologischen Mechanismen evolved psychological mechanism.
Nach den oben angeführten Eigenschaften dieser psychologischen Mechanismen wird nun eine Definition gegeben und ihre wichtigsten Eigenschaften zusammenfassend dargestellt. Psychologische Mechanismen werden durch folgende Charakteristika beschrieben Buss, :. Ein evolvierter psychologischer Mechanismus existiert in seiner Form deshalb, da er in der vergangenen Umwelt der evolutionären Anpassung EEA den Überlebens- oder Reproduktionserfolg erfolgreich sicherte.
Ein psychologischer Mechanismus ist dafür gemacht, nur eine bestimmte Art von Information zu verarbeiten. Der Input eines EPM gibt dem Organismus eine Information über das speziel- le Anpassungsproblem, dem der Organismus begegnen muss. Der Input, den ein psychologischer Mechanismus erhält, wird durch Entscheidungsregeln in Output umgesetzt.
Der Output eines psychologischen Mechanismus kann physiologische Aktivität, Informationen für einen weiteren psychologischen Mechanismus oder manifestes Verhalten sein. Der Output eines psychologischen Mechanismus ist darauf gerichtet ein spezifisches adaptives Problem zu lösen. Darüber hinaus hat Buss die wichtigsten Eigenschaften eines psychologischen Mechanismus zusammengestellt: 1.
Evolvierte psychologische Mechanismen bieten nicht künstlich festgelegte Kriterien zur Gliederung der Psychologie.
Grundlagen und Einführung in die Evolutionspsychologie
Evolvierte psychologische Mechanismen sind problemspezifisch. Menschen besitzen viele evolvierte psychologische Mechanismen. Die Spezifität, Komplexität und grosse Anzahl psychologischer Mechanismen geben dem menschlichen Verhalten Flexibilität. Zusammenfassend kann man festhalten, dass ein evolvierter psychologischer Mechanismus eine bereichsspezifische Anpassung an die Umwelt darstellt, der dieser Mechanismus für unsere Vorfahren deren differenziellen Reproduktionserfolg erhöhte.
Die evolvierten psychologischen Mechanismen dienen dazu einen spezifischen Input in einen spezifischen Qutput auf der Verhaltensebene umzuwandeln. Nachdem nun die Grundlagen der Evolutionstheorie und —psychologie dargestellt und die Eigenschaften der aus dem Evolutionsprozess entstandenen psychologischen Mechanismen erläutert wurden, müssen nun aber noch einige Missverständnisse geklärt werden, die häufig im Zusammenhang mit der Evolutionstheorie auftreten.