Eigene therapie hinderich psychologie studium

Eine interdisziplinäre Analyse der Willensfreiheit. Contestabile Erste Version Letzte Version Harter Determinismus.

Prof. Dr. Martin Hartmann

Zitierte Literatur. Anhang : Konservative und Dissipative Strukturen. Die meisten Kulturpessimisten gehen davon aus, dass der Mensch die kulturelle Evolution nicht massgeblich beeinflussen kann. Sie berufen sich dabei auf die Komplexität der biologischen und kulturellen Systeme und auf den Mangel an bewussten Entscheidungen. Libertarier sprechen nur dann von Willensfreiheit, wenn der Mensch Letzt-Urheber seiner Entscheidungen ist, d.

Naturalisten postulieren, dass sämtliche Entscheidungen auf physikalischen Hirnprozessen basieren, eine zeitliche Ausdehnung haben und die Kausalität nicht unterbrechen. Es stellt sich dann die folgende Frage: Kann ein von Naturgesetzen bestimmter Wille frei sein? Die Philosophen sind sich uneinig:. Die kompatibilistische Willensfreiheit ist allerdings eingeschränkt durch Faktoren der Aussenwelt und Innenwelt:.

Einschränkungen durch die Aussenwelt. In diesem Aufsatz geht es nicht um die bewussten und bekannten Fälle von politischer Freiheitsberaubung. Soweit soziale Strukturen reflektiert werden können, sind sie auch offen für eine gesellschaftliche Diskussion und für Widerstand. Es geht hier darum, dass die Willensfreiheit bereits durch die Verdrängung von Wünschen und Möglichkeiten eingeschränkt ist.

Es gibt eine gesellschaftliche Produktion von Unbewusstem, welche der Kontrolle von Trieben und der Festigung von Machtverhältnissen dient. Wenn Strukturen der Triebbewältigung dienen, dann haben sie oft eine Doppelfunktion: sie schränken die Freiheit in einem Bereich ein, aber vergrössern sie in einem anderen Bereich.

Sie gleichen deshalb eher einem Kloster als einem Gefängnis. Das Kloster schränkt die Freiheit ein, aber es bietet auch Schutz vor den Gefahren der Aussenwelt und erlaubt das ungestörte Meditieren. So wie der Pianist künstlerische Freiheit gewinnt, indem er die Tastentechnik im Unbewussten verankert, so gewinnt eine Kultur Freiheit, indem sie gewisse Aggressions-Hemmungen im Unterbewussten verankert.

Einschränkungen durch die Innenwelt. Die langfristig etablierten, sich nur langsam im Laufe des Lebens ändernden Einflusszonen der psychischen Instanzen definieren das Mass der inneren Freiheit. Diese Einflusszonen können als grundlegende Einschränkung der individuellen Freiheit betrachtet werden aber auch als eine spezifische Anpassung an die Umwelt, in welcher sich Individualität und damit ein Stück Freiheit ausdrückt.

Am meisten zum Freiheitsskeptizismus beigetragen haben diejenigen Hirnforscher welche behaupten, dass Bewusstsein nur ein Epiphänomen ist. Man kann nur für etwas verantwortlich gemacht werden, worüber man frei entscheiden kann:. Für sie besteht das Hauptproblem darin, das moralische Gewicht der unbewussten Motive richtig einzuschätzen.

Wer hat Recht? Hier geht es vor allem darum, wer seine Sprache durchsetzen kann. Was bedeutet Willensfreiheit?

Philosophisches Kolloquium des Instituts für Philosophie

Wie stark ist die Willensfreiheit durch äussere und innere Bedingungen eingeschränkt? Welche Verantwortung trägt der Mensch für seine Handlungen? Für den Begriff Willensfreiheit gibt es derzeit keine allgemein anerkannte, hinreichende Definition [Philoclopedia]. Im Rechtswesen wird der Begriff Verantwortung als Pflicht einer handelnden Person oder Personengruppe gegenüber einer anderen Person oder Personengruppe definiert.

Die Pflicht entsteht aufgrund eines normativen Anspruchs Verantwortung , Wikipedia. Verantwortung setzt Willensfreiheit voraus. Man kann nur für etwas verantwortlich gemacht werden, worüber man frei entscheiden kann. Der Begriff Wille bedeutet das Umsetzen von Vorstellungen in die Realität durch Handlungen Wille , Wikipedia.

Nach diesem Konzept ist ein Wille frei, wenn eine Person. Der Begriff Präferenz steht für Motiv , Interesse, Wunsch, Bindung, etc. Für mehr Informationen zu dieser Definition siehe Kap. Freier Wille , Wikipedia. Welche der konkurrierenden Präferenzen sich als Wille herausbildet, hängt von der Persönlichkeit und von Umwelteinflüssen ab [Dennett , ].

Die Willensbildung ist umso freier, je weniger sie auf äusseren oder inneren Zwängen beruht [Stuckenberg, 3] [Beckermann ]. Eine Person ist in ihrem Wollen frei, wenn sie autonom bestimmen kann, welche Präferenzen handlungswirksam werden sollen [Beckermann ]. Wir können mit unseren Gedanken Einfluss nehmen auf unseren Willen. Das Ausmass, indem uns das gelingt, ist das Ausmass, in dem unser Wille Freiheit besitzt [Bieri, 54, ].

Von Willensfreiheit im moralischen Sinne Schuldfähigkeit spricht man erst, wenn die eigenen Präferenzen reflektiert werden können und zu Handlungsoptionen werden. Dem deutschen Strafgesetzbuch zufolge sind für Schuldfähigkeit zwei Kriterien entscheidend:. Einsichtsfähigkeit : die Fähigkeit, das Unrecht des eigenen Handelns einsehen zu können. Nachfolgend ein paar konkrete Beispiele von inneren Zwängen mit denen der Begriff Willensfreiheit negativ abgegrenzt werden kann.

Es sind Beispiele, welche auf einen Zusammenhang zwischen innerer Unfreiheit und dem Erleben der Zeit hinweisen:. Wir sind getrieben durch spontan auftauchende innere Wünsche und durch Einflüsse der Umgebung, wenn wir nicht mehr über unsere Wahlmöglichkeiten nachdenken [Bieri, ]. Von Unterworfensein spricht man, wenn andere an unserer Willensbildung beteiligt sind, ohne dass wir darauf Einfluss nehmen können, z.

Im Unterschied zu einem permanent Getriebenen ist hier die Fähigkeit zur Willenskontrolle nur vorübergehend ausgeschaltet [Bieri, ]. Die Zeit, während der man einem fremden Willen folgt, ist in einem gewissen Sinne nicht die eigene Zeit, man ist nur Gast in der Zeit eines anderen. Dabei lassen sich folgende Stufen der Unfreiheit unterscheiden.

Salvador Dali Die Beständigkeit der Erinnerung. Unser Denken kann von innen her vergiftet werden, z. Die Gedankenwelt ist zugeschüttet mit geschickt gewählten Metaphern und Assoziationen, an die sich starke Emotionen anlagern. In einem gewissen Masse kann auch die Familie, eine politische Partei oder eine Stammtischrunde die Rolle einer Sekte übernehmen, wenn man zum Mitläufer wird und keine kritische Distanz entwickelt [Bieri, ].

Da er immer dasselbe denkt und sagt muss der gedankliche Mitläufer sich langweilen. Was die Zukunft belangt, so wird er später denken, was er immer gedacht hat. Allem, was kommt, wird er die ewig gleichen Überzeugungen entgegenhalten. Es ist nichts weniger als die offene Zukunft, welche der Mitläufer durch seine Borniertheit verspielt und seine besondere Unfreiheit besteht darin, dass er diesen Verlust gar nicht bemerkt.

Die Vergangenheit kann ihm nicht als eine Zeit erscheinen, in der er sich entwickelt hat, sondern nur als eine Spanne, in der er fest zu seinen Überzeugungen gestanden hat. Der Ursprung seiner Gedanken liegt im Dunkel des kindlichen Nachplapperns [Bieri, ]. Auch Menschen, die selbständig denken und sich kritisch von aussen betrachten, können einer Sucht verfallen. Die bessere Einsicht ist vorhanden, aber man kann ihr nicht folgen.

Beispiel: Eine Person, welche die Schädlichkeit des Rauchens erkannt hat, vergleicht den mittelfristigen Genuss am Tabak mit dem langfristigen Risiko von Lungenkrebs. Nach dem Abwägen der Chancen und Risiken entschliesst sich die Person mit dem Rauchen aufzuhören. Sie hat offenbar die Fähigkeit zu bestimmen, welcher der beiden Wünsche Tabakgenuss oder Gesundheit handlungswirksam werden soll.

Wenn die gleiche Person die Kraft nicht aufbringt das als richtig Erkannte in die Tat umzusetzen oder das Rauchen nur temporär einstellen kann, dann ist sie in ihrer Willensfreiheit eingeschränkt. Eine Sucht wird nicht zwangsläufig verurteilt, sie kann auch — wie im Falle der Arbeitssucht — gesellschaftlich prämiert werden. Süchtige bezeichnet man oft als willensschwach, aber die Schwäche betrifft nicht den vorhandenen überstarken schädlichen Willen, sondern die Fähigkeit, ihn durch einen neuen, als besser erkannten Willen zu ersetzen.

Der zwanghafte Wille kann nicht durch Erfahrung belehrt werden. Die einzige Chance besteht darin, dass einem dieser Wille eines Tages als fremd vorkommt [Bieri, ]. Weil einem der zwanghafte Wille schadet erscheint er als etwas Bedrohliches oder Fremdes und man wartet man ständig, dass er verschwindet. Durch dieses Warten auf eine bessere Zukunft entgleitet dem Süchtigen die Gegenwart.

Der Leistungs-Süchtige etwa will nur noch die eben angepackte Arbeit zu Ende bringen und sich dann etwas Vergnügen gönnen. Doch natürlich taucht sogleich eine neue Herausforderung auf, sodass das Vergnügen weiter in die Zukunft verschoben werden muss. Die Zeit läuft am Süchtigen vorbei, ohne dass er sich gestaltend daran beteiligen kann. In der Erinnerung besteht die Vergangenheit nicht aus gelebter Gegenwart sondern aus vergeblichem Warten.

Es ist eine Zeit, die der Süchtige ertragen, aber nicht gelebt hat. Es war ein vergeblicher Kampf mit sich selbst [Bieri, ]. In der Sucht verliert der Mensch seine Zeitfreiheit [Wittmann].

Zwangsstörungen / Obsessive-Compulsive Disorders

Auch der Unbeherrschte ist nicht Herr seines Willens. Was dem Unbeherrschten fehlt ist nicht ein Wille, sondern die Kontrolle über ihn. Eine zwanghafte Handlung kann man dagegen bei klarem Verstand ausführen. Beim Zwanghaften ist schon der Affekt inadäquat [Bieri, ]. Um die Willensfreiheit aus physikalischer Sicht zu definieren, muss man zuerst den Umfang und die Geltung der physikalischen Gesetze klären.

Als grundlegende Disziplinen gelten heute [Vollmer , ] [Vollmer ]:. Hier bewegt man sich innerhalb der Grenzen der klassischen Mechanik und der Wahrscheinlichkeitstheorie. Geltung der Gesetze. Die Vorstellung einer gesetzmässig geordneten Natur ist historisch und kulturell nicht allgemein verbreitet. Kandidaten für Naturgesetze lassen sich zwar relativ leicht aufzählen, aber was Naturgesetze sind und warum sie gelten ist nur schwer zu erklären [Vollmer , ] [Mittelstaedt].

Die physikalischen Theorien stehen auf einer unsicheren Grundlage [Rothman]:. Da Naturgesetze induktiv nicht verifizierbar sind allenfalls falsifizierbar , kann den Gesetzen unserer empirischen Wissenschaft lediglich der Status von Hypothesen zugestanden werden. Einige der bedeutendsten ungelösten Probleme der Physik sind theoretischer Natur, d.