Rollenspiel mit psychologen
Rollenspiel und Rollentausch in der Kognitiven Verhaltenstherapie
Einleitung Die Bearbeitung der dysfunktionalen Schemata eines Klienten, mit der sich dieses Kapitel beschäftigt, findet - betrachtet man den Gesamtverlauf der Therapie vgl. Kapitel 2 - erst in Phase 4 statt. Vorher müssen die anderen Phasen realisiert worden sein. Das bedeutet, dass eine vertrauensvolle Therapeut-Klient-Beziehung etabliert wurde Phase 1 und dass ggf.
Beispielsweise muss der Klient eine funktionale Inhaltsbearbeitung aufweisen d. Des Weiteren Phase 3 müssen die relevanten, dysfunktionalen und kompensatorischen Schemata herausgearbeitet, d.
Rollenspiel
Sachse, , , , , , , welche dann die Grundlage für das EPR bilden. Die kognitive Repräsentation der Schemata hat therapeutisch zur Folge, dass die Schemata dem Klienten klar und verständlich werden. Betrachtet man jedoch das Gros der ambulanten Klienten, dann sind solche Klienten die Ausnahme. Bei den meisten Klienten muss der Phase der Schema-Klärung eine Phase expliziter Schema-Bearbeitung folgen.
Hierzu möchten wir in diesem Beitrag das so genannte "Ein-Personen-Rollenspiel EPR " vgl. Dieser Beitrag bietet hierzu einen thematischen Einstieg. Für eine ausführliche und detailliertere Darstellung, Instruktionshilfen und Transkripte sei auf Sachse et al. Das Ein-Personen-Rollenspiel Beim Ein-Personen-Rollenspiel, so wie wir es verwenden, wird ein Klient von seinem Therapeuten angeleitet, sein eigener Therapeut zu sein und seine dysfunktionalen oder kompensatorischen affektiven oder kognitiven Schemata zu disputieren.
Das EPR bedient sich dabei der Methoden des "Rollentausches", indem der Klient sich in die Rolle seines eigenen Therapeuten einfinden soll, sowie der Technik des "Leeren Stuhls", wenn der Klient in der Therapeutenrolle sich selbst als Klient auf dem leeren Stuhl vorstellt und direkt anspricht. Das EPR stellt einen Interventionsrahmen dar, in dem sehr unterschiedliche Strategien realisiert werden können, um sowohl kognitive als auch affektive Schema-Anteile zu bearbeiten und den Klienten zu motivieren.
Hierbei eröffnet das EPR die Möglichkeit, weitere Elemente wie z. Ressourcenaktivierung oder Imagination zu integrieren. Diese Methode erfüllt damit wesentliche Bedingungen eines konstruktiven Therapieprozesses: Es dient dazu, den Klienten zu motivieren, es enthält Klärungs- und Bearbeitungsprozesse, es berücksichtigt affektive Schema-Aspekte und affektive Veränderungsprozesse; es bringt den Klienten dazu, die Perspektive zu wechseln, sich selbst kritisch mit seinen Annahmen auseinanderzusetzen und als sein eigener Therapeut zu fungieren; es aktiviert gezielt Ressourcen und positive Schemata des Klienten und ermöglicht hierdurch die Anlagerung an das zu bearbeitende negative, dysfunktionale Schema.
Um dem Klienten die beiden Positionen augenscheinlich zu machen und es dem Klienten zu erleichtern, von einer Position in die andere zu wechseln, stellt der Therapeut zwei Stühle gegenüber sodass sich zwei gegenüber sitzende Personen ansehen können und definiert auf jedem Stuhl eine der Positionen für den Klienten; seinen eigenen Stuhl stellt er querab zu den beiden Stühlen vgl.
Abbildung 9. Es empfiehlt sich, immer den gleichen Stuhl als Klienten-Position z. Der Grund dafür liegt darin, dass der Klient bei der Durchführung des EPR, vor allem in der Anfangsphase, nicht sonderlich diszipliniert ist. Er "rutscht" auf dem Therapeutenstuhl schnell wieder in die Klienten-Rolle. Wir definieren immer den vom Therapeut aus gesehenen linken Stuhl als Klienten-Position und den rechten Stuhl als Therapeuten-Position.
Die beiden Klienten-Stühle stehen unmittelbar voreinander, sodass der Klient sich in seiner Vorstellung direkt ansehen und ansprechen kann. Die räumliche Trennung dieser beiden Positionen erleichtert es dem Klienten, sich von seinem eigenen Überzeugungssystem zu distanzieren und einen "geistigen Positionswechsel" durchzuführen. Somit dient der Stuhlwechsel dazu, dem Klienten zu helfen, Aspekte auseinander zuhalten; sich von eigenen Annahmen zu distanzieren; neue Perspektiven sehr konsequent und gründlich einzunehmen; diese neuen Perspektiven zu durchdenken, konsequent dazu Gedächtnisbestände zu aktivieren; diese Positionen probeweise zu glauben, mit "ihnen zu spielen", sie auf sich wirken zu lassen.
Die Aufgabe des Klienten auf der Klienten-Position besteht darin, seine dysfunktionalen Annahmen zu vertreten, sozusagen "er selbst zu sein". Der Klient aktiviert und klärt mit Hilfe des Therapeuten seine Schemata, arbeitet Annahmen heraus, die sich mit Hilfe des EPR prüfen lassen, und er prüft hier, nachdem der Klient als Therapeut Gegenannahmen entwickelt hat, in wie weit ihn diese Gegenargumente überzeugen.
Auf der Therapeuten-Position hat der Klient z. Der Therapeut hat beim EPR, genau wie der Klient, zwei Rollen oder Funktionen zu erfüllen. Sitzt der Klient auf der Klienten-Position, dann nimmt der Therapeut die Rolle eines Therapeuten ein und hat auch die "normalen" Aufgaben eines Therapeuten. Er unterstützt den Klärungsprozess, hilft dem Klienten, bearbeitbare Annahmen zu formulieren, und leitet den Klienten an, die Gegenargumente des Klient-Therapeuten zu prüfen.
Sitzt der Klient auf der Therapeuten-Position, dann nimmt der Therapeut die Rolle des Supervisors für diesen Therapeuten ein, mit allen Aufgaben und Möglichkeiten, die zu dieser Rolle gehören. Auf beiden Positionen überwacht der Therapeut die Arbeit des Klienten genau und achtet darauf, dass der Klient die jeweilige Position konsequent einnimmt. Diese Aufgabe des Therapeuten ist wesentlich, da Klienten, insbesondere zu Beginn dieser Therapiemethode, nicht diszipliniert sind.
Sie nehmen oft auf der Therapeuten-Position die Auffassung des Klienten an und argumentieren aus der Klienten-Position. Dies darf der Therapeut nicht zulassen, er muss den Klient-Therapeuten in seine Rolle zurückholen oder ihn wieder auf den Klienten-Stuhl zurück setzen. Schritt: Der Klient sitzt auf der Klienten-Position KK und vertritt die dysfunktionale Annahme.
Schritt: Klient sitzt auf der Klienten-Position KK und prüft nun zusammen mit dem Therapeut die Stimmigkeit der Gegenstrategie. Klient auf der Klientenposition: Herausarbeiten einer bearbeitbaren Annahme Das EPR beginnt, wenn es Therapeut und Klient gelungen ist, eine bearbeitbare Annahme herauszukristallisieren, d.
Eine bearbeitbare Annahme sollte dabei folgenden Kriterien genügen: Sie sollte ein Aspekt eines problemrelevanten, dysfunktionalen oder kompensatorischen Schemas sein. Hat ein Klient z. Die Annahme kann aber auch aus den Schemaebenen 2 z. Die Annahme kann kognitiv sein und starke affektive Anteile enthalten die der Klient nun aktuell an vorhandenen Affekten spürt. Aussagen des Klienten, wie Situationsbeschreibungen, Aussagen über eigene Handlungen und eigene Reaktionen können nicht im EPR geprüft werden.
Sinnvoll bearbeitbare Annahmen sind z. Ich habe im Leben alles falsch gemacht. Niemand interessiert sich für mich. Beziehungen sind nicht verlässlich. Klient auf der Therapeuten-Position: Bearbeitung der Annahme Die zweite Phase des Zyklus beginnt, wenn der Therapeut den Klienten auf die Therapeuten-Position KT wechseln lässt.
Der Klient bearbeitet nun mit Hilfe des Supervisors die formulierte Annahme. Dabei haben Klient und Supervisor eine ganze Reihe Therapie-Strategien zur Verfügung s. Abschnitt 9. Diese Phase beginnt mit der Instruktion an den Klienten. Diese beinhaltet einige sehr wichtige Elemente, wie die Anweisung, der eigene Therapeut zu sein und sich als solcher bewusst von der Annahme des Klienten zu distanzieren.
Sitzt der Klient auf dem Therapeuten-Stuhl, sagt der Supervisor: "Sie sind jetzt Ihr eigener Therapeut. Ihre Aufgabe ist es, etwas zu finden, was Ihrem Klienten hilft. Ich unterstütze Sie dabei. Wir können erst einmal beraten, was hilfreich sein könnte. Dieser Prozess kann schnell gehen oder langwierig sein, je nachdem, wie gut der KT sich distanzieren und wie schnell er Gegenargumente entwickeln kann.
Der Zug endet damit, dass der Klient-Therapeut die erarbeitete Gegenstrategie dem Klient-Klienten, den er auf den gegenüberliegenden Stuhl imaginiert, sagt. Dabei hat es sich als vorteilhaft erwiesen, wenn der KT seinen KK "duzt" und tatsächlich so anspricht, als würde er ihm gegenübersitzen. Der Supervisor gibt dabei gegebenenfalls Hilfestellungen bezüglich Formulierungen und der Eindringlichkeit der Argumentation.
Es scheint hierbei günstig zu sein, wenn der KT dem KK auch mitteilt, was die Gegenstrategie für seine Annahme bedeutet. Klient auf der Klienten-Position: Prüfen der Gegenargumente Die dritte Phase des EPR beginnt, wenn der Klient auf die Klienten-Position zurückwechselt und dann die Gegenargumente, die der Klient-Therapeut ihm gesagt hat, prüft.
Sitzt der Klient wieder auf der Klienten-Position lautet die Instruktion, die der Therapeut ihm gibt: "Sie sind jetzt wieder Klient. Was überzeugt Sie davon? Und was überzeugt Sie nicht? Im ersten Schritt soll der Klient feststellen, welche Aspekte ihn überzeugen und warum. Dies ist wichtig, damit die Aspekte, die bereits überzeugend sind, zunächst gründlich gewürdigt und analysiert werden; damit "bringt der Therapeut sozusagen die Ernte ein".
Dazu sollte sich der Therapeut unbedingt Zeit nehmen, die neuen Erkenntnisse mit dem Klienten mehrmals durchzugehen, um sie im Gedächtnis des Klienten zu verankern und bereits erste Konsequenzen daraus abzuleiten. Der Therapeut macht hier deutlich, dass es beim EPR nicht darum geht, den Klienten zu überreden oder dem Klienten Inhalte zu vermitteln, die er eigentlich nicht akzeptieren kann.
Es geht vielmehr darum, solche Inhalte zu finden, die der Klient integrieren kann.
Rollenspiele – Erweiterung des Handlungsspielraums in der Therapie
Findet der Klient ein "Aber", klären Therapeut und Klient ausführlich, was dieses "Aber" ist; dabei werden oft neue Schema-Aspekte herausgearbeitet, die dann der Ausgangspunkt für einen neuen Zyklus sind. Diese Stimmigkeitsprüfung ist ein zentrales Element des Vorgehens. Therapeutisches Ziel ist, dass der Klient Argumente, eigene Erfahrungen und Ressourcen findet, die aus seiner Sicht tatsächlich negative Schemata widerlegen und blockieren können, die neue Schemata formen können, die der Klient in sein kognitiv-affektives System integrieren kann.
Auf diese Weise verlieren negative Schemata ihren Einfluss auf die Exekutive und neue, positive Schemata gewinnen an Einfluss. Da die neuen Inhalte auch mit den affektiven Komponenten der Schemata kompatibel sein müssen, muss der Klient die neuen Inhalte nicht nur kognitiv, sondern auch und vor allem! Oder gibt es dagegen affektive Widerstände?
Selbst wenn diese Widerstände zunächst noch diffus sind, sollten diese Unstimmigkeiten von Therapeut und Klient ernst genommen werden und Ausgangspunkt einer genauen weiteren Klärung werden. Gerade diese Stimmigkeitsprüfung ist es, die das EPR zu einem lernenden, selbstregulativen System macht. Wenn der Klient neue Ideen und Interpretationen entwickelt, kann er selbst prüfen, ob diese wirksam sind; sind sie es, kann er sie integrieren; sind sie es nicht, muss er weiter suchen, weiter analysieren, weiter explizieren, usw.
Die mangelnde Stimmigkeit weist darauf hin, dass es noch weitere, bisher noch nicht geklärte und herausgearbeitete Annahmen gibt, die jedoch, da sie wirksam sind, nun herausgearbeitet werden müssen, um dann in der Therapie bearbeitbar zu sein. In der KOP wird dieser Prozess "Vertiefung der Explizierung" genannt und dieser Prozess ist zentral dafür, wirksame, aber schwer fassbare Annahmen zu repräsentieren.
Eine vollständige Sequenz im EPR hat damit immer mindestens drei Phasen: 1. Entwickeln von alternativen Annahmen u. Prüfen der Alternativen auf der Klienten-Position. Eine Sequenz kann gelegentlich auch mehr als drei Phasen aufweisen: Stellt sich ein Klienten- Therapeut selbst eine Frage d. Damit hat eine Sequenz dann fünf Phasen. Unabhängig davon, wie viele Phasen eine Sequenz hat, sollte sie immer mit einer Prüfung von Gegenargumenten auf der Klienten-Position enden.
Arten von Gegenstrategien auf Klient-Therapeuten-Position im EPR Im EPR kommen zur Bearbeitung der dysfunktionalen Schemata auf der Klient-Therapeuten-Position drei Arten von Techniken zum Einsatz: kognitive, affektive und motivationale. Man muss hier beachten, dass eine kognitive Annahme, in aller Regel in eine Netzwerk-Struktur eingebettet ist, also mit anderen Annahmen verbunden ist, die alle bearbeitet werden müssen auch wenn sie dem Klienten noch nicht explizit bewusst sind.
Daher ist es oft hilfreich für den Prozess, wenn Therapeuten vor dem Einstieg ins EPR versuchen, bereits die wirklich zentralen Annahmen des Klienten zu rekonstruieren. Denn in der Regel "treffen" die vom Klient-Therapeuten entwickelten Gegenargumente erst die jeweils expliziten Annahmen. Prüft der Klient dann, ob diese Gegenargumente ihn überzeugen, dann merkt er deutlich, dass es Teile gibt, die nicht überzeugend sind.
Dies sind dann die noch impliziten Annahmen, die man auf diese Weise identifizieren, klären und bearbeiten kann. Eine kognitive Disputation von Schemaaspekten ist aber nur dann sinnvoll, wenn der Klient von der Gültigkeit der Schemaaspekte überzeugt ist, wenn er z.