Psychologe charaktereinschätzen
Aber beginnen wir von vorne. Wusstest du, dass circa zwei Drittel der Menschen ihre eigenen Stärken nicht kennen? Dieses Phänomen nennt man Stärkenblindheit. Oft hängt dies nicht nur damit zusammen, dass man sich seiner eigenen Stärken nicht bewusst ist, sondern dass einem ein grundlegendes Stärkenvokabular fehlt.
Zähle so viele wie möglich auf. Wieviele Stärken sind dir eingefallen? Wie leicht oder schwer fiel es dir? Mit dem Stärkenvokabular ist es ein bisschen, wie mit dem Sprechen lernen als Kind: die Anzahl der Wörter wächst mit dem Training und genauso kann man auch sein Stärkenvokabular trainieren. Auch wenn dir viele Stärken eingefallen sind, werden vermutlich einige Begriffe darunter sein, die nicht als echte Stärken zählen.
Tonspuren der Persönlichkeit
Auch wenn sie ähnlich sind, unterscheiden sie sich doch voneinander. Talente sind meist Verhaltensweisen, die ich gut kann, weil sie mir in die Wiege gelegt wurden. Vielleicht ist jemand besonders musikalisch und lernt Instrumente sehr schnell oder jemand kann unfassbar gut kochen. Talente sind Verhaltensweisen, die ich nicht einmal besonders üben muss, um sie gut zu können.
Ich habe eben ein Talent dafür. Fähigkeiten oder Skills sind Verhaltensweisen, die ich viel geübt oder trainiert habe und deshalb gut kann. Das können Sportarten, berufliche Fähigkeiten, handwerkliche Fähigkeiten und vieles mehr sein. Wenn ich jahrelang geübt habe, wie man hübsche Mützen strickt, dann ist dies eine erlernte Fähigkeit, aber keine Stärke. Interessen sind Dinge, für die ich mich begeistere.
Oft treffen sie mit unseren Talenten zusammen. Aber auch hier reden wir nicht von Stärken. Manchmal mogeln sich auch Werte in den Stärkenpool, nicht ganz unberechtigt, denn Stärken und Werte stehen sich oft sehr nahe. Aber ein Wert, wie Pünktlichkeit oder Zuverlässigkeit, ist keine Stärke, sondern etwas, das mir wichtig ist und sich deshalb meist in meinem Verhalten zeigt.
Psychologie: 5 Dinge, auf die Menschen mit einer guten Menschenkenntnis achten
Stärken, im Sinne der Positiven Psychologie, sind positive Eigenschaften, die bestimmen, was wir tun, wie wir denken und fühlen und wer wir sind. Sie sind ein Dreiklang von Denken, Fühlen und Handeln und zeigen sich dementsprechend auch in unserem Verhalten, unseren Gedanken und unseren Gefühlen. Damit gehen sie über die Ebene der Verhaltensweisen hinaus.
Und Stärken sind grundsätzlich gut bzw. Alles, was anderen oder sich selber schadet, ist entweder keine Stärke oder eine Stärke, die unter- oder übertrieben wird. Diese Definition mag etwas abstrakt klingen, aber sicherlich wird beim Kennenlernen der verschiedenen Stärken klarer, was gemeint ist. Tatsächlich ist es gar nicht trivial Stärken zu definieren, weshalb es auch in der Positiven Psychologie noch keine einheitliche Definition gibt.
Die Entwicklung der Charakterstärken In der Psychologie gibt es schon seit Jahrzehnten eine Klassifikation für psychische Symptome und Erkrankungen, die ICD oder in der amerikanischen Variante das DSM. Die ICD hilft psychische Erkrankungen zu kategorisieren und damit eine gemeinsame Sprache für diese Themen zu haben. Für die positiven Eigenschaften von Menschen gab es bis vor einigen Jahren leider keinen solchen Ansatz.
Doch glücklicherweise änderte sich das In diesem Jahr veröffentlichten Martin Seligman und Christopher Peterson das Buch Character Strenghts and Virtues: A Handbook and Classification, in dem sie erstmals die 24 Charakterstärken beschrieben, die heute ein zentrales Modell in der Positiven Psychologie sind.
Mehr als 50 Experten aus der Psychologie, den Sozialwissenschaften, der Philosophie und Theologie analysierten über einen Zeitraum von drei Jahren verschiedene philosophische, psychologische, sozialwissenschaftliche, religiöse und historische Quellen und Schriften. Sie durchforsteten über Tugend-Kataloge und Schriften, die sich über einen Zeitraum von Jahren und die ganze Welt verteilen, nach einer gemeinsamen Stärkensprache.
Darunter waren wichtige Schriften aus dem Buddhismus, Hinduismus, Taoismus, Christentum, Judentum, Konfuzianismus und Islam, Schriften von anktiken Philosophen, bedeutende Reden von zeitgenössischen Persönlichkeiten, wie Benjamin Franklin oder John Templeton, aber auch modernere psychologische Schriften verschiedener Strömungen. Aus diesem riesigen Fundus an Informationen, leitete das Forscher-Team universell gültige Tugenden und Charakterstärken ab, die zeitunabhängig, interreligiös und kulturlos sind.
So etwas hatte es bis dato noch nie gegeben — eine gemeinsame Stärkensprache, die unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, Reiligion, Kultur war, an keinen Kontext gebunden und dazu noch wissenschaftlich fundiert und mit einem frei verfügbaren Stärken-Test. Die 24 Charakterstärken im Überblick Die 24 Charakterstärken werden auch als VIA-Stärken bezeichnet, weil das gesamte Projekt unter der Schirmherrschaft des VIA Institute on Character stand.
VIA steht für Values in Action, also Werte in Aktion und beschreibt damit auf kurze Art und Weise, was Stärken sind — gelebte Werte. Seit dem Beginn des Projekts wird das Stärkenmodell vom VIA Institute, einer gemeinnützigen Organisation, verbreitet und mit Leben gefüllt. Psychologie bis hin zu persönlicher Weiterentwicklung. Seligman und seine Kollegen teilten die 24 Stärken damals in sechs Tugenden, die eine höhere Ordnung der Stärken darstellen, empirisch jedoch umstritten sind.
Deshalb liegt der Fokus dieses Modells auf den 24 Stärken. Vielleicht konntest du dich beim Lesen bereits in der ein oder anderen wiederfinden oder die Beschreibung der Stärken hat dich an einen anderen Menschen erinnert. Sich seiner eigenen Stärken bewusst zu sein und auch die Stärken anderer zu erkennen, bringt eine neue Qualität und mehr Glücks ins Leben.
Deshalb möchte ich dich ermuntern, deine Stärken kennenzulernen. Dies geht beispielsweise über den kostenlosen Stärkentest. Mit welchen kannst du dich gut identifzieren? Welche würdest du gerne häufiger nutzen? Auch wenn das Modell der Charakterstärken eine recht umfassende Darstellung verschiedener menschlicher Stärken ist, erhebt es keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
In der praktischen Anwendung sind die 24 Charakterstärken sehr wertvoll, um Menschen an das Thema Stärken heranzuführen, ein Stärkenvokabular aufzubauen und über dieses Thema miteinander sprechen zu können. Trotzdem kann es natürlich weitere Stärken oder andere Nuancen geben. Mit den 24 Stärken ist es ein bisschen wie mit einem Klavier. Ein Klavier hat nur eine begrenzte Anzahl an Tasten, die Stärken, es kann jedoch unendlich viele Melodien spielen.
Genauso verbinden sich die verschiedenen Stärken in unterschiedlichen Ausprägungen in jedem Menschen zu einer einzigartigen Stärkenkombination. Unsere Stärken machen uns als Menschen aus.
So lassen sich Charaktereigenschaften von Bewerbern besser einordnen
Seine Stärken zu kennen und zu nutzen, macht glücklicher und leistungsfähiger. Und die Positive Psychologie hilft genau dabei: Menschen ihre Stärken erkennen zu lassen und sie dazu zu inspirieren diese einzusetzen. Wenn du auch mit deinen Stärken arbeiten möchtest, schenkt dir die Positive Psychologie viele wirksame Übungen.
Ich wünsche dir mehr Bewusstheit deiner Stärken! Deine Alexandra.